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Graphic Novel: My Father Never Cut His Hair von Peter Phobia

This is the story of my father Rudy.

Der erste Satz aus My Father never cut his hair

Titel und Cover haben direkt etwas bei mir ausgelöst. Ich wollte mehr über diese Geschichte und diese Welt erfahren.

Offiziell ist das Buch eine Graphic Novel, aber die passendere Bezeichnung ist Bilderbuch für Erwachsene. Als ob Peter Phobia mit mir am Tisch sitzen würde und von seinem Vater erzählt. Oder zumindest von dem, was er über seinen Vater weiß. Den Inhalt eines Schuhkartons, den er uns mit diesem Buch präsentiert.

Peter hat ein Faible für violett und rosa, das sich auch in diesem Buch zeigt. Die Bilder, als auch die Sprache sind – vielleicht, weil wir von vornherein um die Tragik der Geschichte wissen – melancholisch nüchtern und weil es eine wahre Geschichte ist, berührt sie mich. Gerade seine Bilder und seine Sprache machen diese Geschichte, die leider wohl viel zu oft geschieht, individuell und schön.

Das Buch selbst ist wunderschön gemacht, die Schrift auf dem Cover erhaben, das Papier ein wenig fester, wertig. Es macht Spaß, darin zu blättern und die Geschichte zu erfahren. Nur bei Bildern und Texten über eine Doppelseite kommt das Buch an seine Grenzen, hier sind Druck und Bindung leider nicht so sauber, wie der Rest.

Ein kleines Manko einer sonst sehr schönen Erfahrung: Für eine kurze Weile in die Welt von Peter Phobia eintauchen und sich von ihm berühren lassen.

My father never cut his hair von Peter Phobia erschien bei Luftschacht. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Bilderbuch: Schieb den Wal zurück ins Meer! von Sophie Schoenwald und Lea Johanna Becker

Denn es war so: Ich stand am Strand und vor mir lag ein Wal.
Er lebte noch, ich war allein, es war so eine Qual.
Ich bin nicht der Stärkste, das Tier war tonnenschwer,
Und die Wellen haben gerufen
Schieb den Wal zurück ins Meer!

Aus „Walkampf“ von den Toten Hosen

Zuerst musste ich an die Toten Hosen denken. Dann an Frederick. Schieb den Wal zurück ins Meer ist eine Mischung aus beidem, die Geschichte einer kleinen Maus, die versucht, den Wal zurück ins Meer zu bekommen. Eine Geschichte über die Möglichkeit des Unmöglichen. Über Zusammenhalt und Respekt.

Sophie Schoenwald hat sich bei diesem Buch für gereimten Text entschieden. Ich habe meine großen Probleme mit Lyrik und es gibt nur wenige leuchtende Beispiele, die für mich funktionieren. In diesem Fall ist die Geschichte als Gedicht ganz nett, ich glaube, ohne den aufgesetzten Rahmen, dass sich alles reimen muss, hätte es noch feiner, noch passender werden können. Aber in diesem Buch ist der Text auch nur Nebensache.

Schieb den Wal zurück ins Meer ist das erste Ergebnis des Boje Förderprojektes für junge Illustratoren, bei dem Kommunikationsdesignstudierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin um den Text ihre Illustrationen bauen konnten. Die Version von Lea Johanna Becker wurde gedruckt, wie das Buch noch hätte werden können, sieht man auf der Seite.

Genauso spannend wie das Buch selbst ist, wie unterschiedliche Köpfe diese Geschichte bebildern. Auffällig bei Lea Johanna Becker finde ich die Lebendigkeit ihrer Scherenschnitte abfotografierter Oberflächen. Ich habe beim Betrachten der Bilder das Gefühl, ein Bild eines Filmes zu sehen, die Bewegung der Tiere, der ganzen Welt zwingt sich mir auf. Ich finde es noch nichtmal die schönsten Illustrationen, aber diese Form von Lebendigkeit finde ich extrem spannend. 

Eine nette Geschichte und faszinierende Illustrationen, ich würde gern wissen, wie ich als Kind darauf reagiert hätte. Und ich freue mich darauf, was durch dieses Förderprojekt sonst noch passiert.

Schieb den Wal zurück ins Meer von Sophie Schoenwald und Lea Johanna Becker erschien bei Boje. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.