Der erste Satz aus Der Ozean am Ende der Straße:

Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs.

Lange bevor ich den Roman gelesen habe, war ich fasziniert. Vom Cover der Originalausgabe beispielsweise. (Das deutsche Cover ist nicht schlecht, lehnt sich aber zu weit aus dem Fenster. Nach der Lektüre weiß man, was ich meine.) Aber auch vom Titel. Allein der Titel machte mich unglaublich neugierig. Dazu kommt, dass ich bisher nichts literarisches von Gaiman gelesen habe. Ich kenne Vorträge von ihm und Verfilmungen seiner Werke, und ich mag ihn und seine Ideen und Ansichten, aber gelesen habe ich noch nichts von ihm. Bis ich eben dieses kleine blaue Abenteuer in den Händen hielt. Wie gesagt, auch das deutsche Cover ist schön und auch der Rest des Buches ist schön aufgemacht. Schlägt man das Cover auf, sieht man auf der Innenseite eine Handschrift. Und da die digitale Welt es möglich macht, frage ich Gaiman über Twitter, ob das seine Handschrift ist. Und er sagt ja.

Wie schön ist das denn? Jetzt aber zum Inhalt.

Der Roman erzählt, wie der Ich-Erzähler wegen einer Beerdigung in die Gegend fährt, in der er aufgewachsen ist, und an einem kleinen Teich sitzend eine Geschichte aus seiner Kindheit erzählt, die Geschichte von ihm und Lettie Hempstock.

Was als naturalistische Erzählung beginnt, wird in der Erinnerung des Erzählers zu einer fantastischen Geschichte, bei der man nie sicher ist, wo die Grenze der Fantasie überschritten wird.

Mit einer wunderbar gelassenen, fast schon lakonischen Stimme erzählt Gaiman von Hexen und Geistern und den Ängsten, die jedes Kind kennt. Und wenn man durch ist und das Buch zuschlägt, ist man sich nicht sicher, ob man schon wieder in der Realität angekommen ist.

Ich hatte beim Lesen ein Gefühl von Terry Pratchett und Stephen King, die ich auch sehr gerne lese. Dies war also meine erste Geschichte von Gaiman. Aber bestimmt nicht die letzte.

 Der Ozean am Ende der Straße von Neil Gaiman wurde übersetzt von Hannes Riffel und erschien bei Eichborn.