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Erzählungen: Die Musik auf den Dächern von Selim Özdogan

Selim Özdogan hat diesen sehr eigenen Blick auf die Dinge, die uns umgeben. Regelmäßig schafft er es mit seinen Büchern, meinen Alltag neu zu füllen, weil ich Sachen, die mir selbstverständlich sind oder über die ich sonst nicht nachdenke, plötzlich anders sehe. In Die Musik auf den Dächern macht Selim das gleich mit 28 Texten.

Kurzgeschichtensammlungen haben – ebenso wie Anthologieserien wie Love, Death & Robots – fast immer die beiden gleichen Probleme. Das eine ist der schnelle Wechsel. Da bin ich gerade in der Welt und in der Sprache einer Erzählung und will wissen, wie es weitergeht, was diese Welt noch für mich bereithält, da ist es schon wieder vorbei. Und wenn ich dann noch in der letzten Erzählung hänge, kann ich der aktuellen gar nicht so neutral begegnen, wie ich gern würde. Deshalb brauche ich für Erzählbände auch immer länger.

Dazu kommt, dass mich (natürlich) nicht alle Erzählungen und Welten auf die gleiche Weise berühren. Selim hat ein paar großartige Texte in dieser Sammlung, aber nicht alle kommen für mich nicht da ran. Was besonders schade ist, wenn ich gerade aus einem sehr tollen Text komme, in dem ich gern länger geblieben wäre.

Dennoch: Selim Özdogan schafft es in diesem Buch einige Male, mich in neue Welten mitzunehmen, mich zu berühren und mich zum Nachdenken zu bringen.

Die Musik auf den Dächern von Selim Özdogan erschien bei der Edition Nautilus. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Transparenz: Ich kenne Selim. Im besten Fall bin ich dadurch ehrlicher und unbarmherziger.

Roman: Der die Träume hört von Selim Özdogan

Abstand zu Menschen. Ich dachte, es würde helfen. Es hat geholfen, jahrelang hat es geholfen.

der erste Absatz aus Der die Träume hört.

Nizar hat sich sein eigenes Geschäft aufgebaut, er arbeitet als Privatermittler für Onlineverbrechen, was so okay funktioniert. Bis er einerseits erfährt, dass er einen 17jährigen Sohn hat und andererseits einen Auftrag annimmt, bei dem ein Junge an einer Überdosis gestorben ist.

Selim Özdogan ist einer der Autoren, die ich nicht lese, weil sie immer ein Genre abdecken, sondern weil ich ihn wegen seiner Schreibe mag. Mal ist es dann eine Drogenutopie, mal ein Pamphlet für Identität, mal ein Migrationsstück. Jetzt ist es ein Krimi, dem ich den Autor anmerke, weil er, egal, wie die Gesichte läuft, seine ganz persönlichen Themen immer wieder reinbringt. Themen wie Identität, Herkunft und auch Drogen, diesmal erweitert durch das Darknet und die Straße.

Ich brauche am Anfang ein wenig, bis ich in der Geschichte bin, komme auf die Denkart von Nizar anfangs nicht klar. Aber dann, als ich im Rhythmus bin und die Grundrichtung des Romanes verstanden habe, bin ich drin.

Auch wenn ich nicht immer Nizars Meinung bin, verbringe ich gern Zeit mit ihm und seinen Sohn. Und ich bin mir sehr sicher, dass die Geschichte mit dem Buch noch nicht zu Ende ist. Da könnte eine Reihe draus werden.

Der die Träume hört ist entweder ein Krimi mit einer guten Portion Lebensrealität, Philosophie und Familie. Oder ein typischer Özdogan plus Krimielementen.

Der die Träume hört von Selim Özdogan erschien bei der Edition Nautilus. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.