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Schlagwort: Empfehlung (Seite 2 von 12)

Buch: Das Leben und das Schreiben von Stephen King

Der erste Satz aus Das Leben und das Schreiben:

In den frühen Neunzigern (es kann 1992 gewesen sein, aber es ist schwer, sich zu erinnern, wenn man Spaß hat) stieß ich zu einer Rock’n’Roll Band, die hauptsächlich aus Schriftstellern bestand.

Vor 15 Jahren veröffentlichte Stephen King dieses Buch, eine Mischung aus Autobiographie und Schreibratgeber. Ich habe es schon damals einmal gelesen gehabt. Aber nachdem ich gesehen habe, dass Ende diesen Jahres eine Kurzgeschichtensammlung mit weiteren Tipps über das Schreiben von ihm erscheinen soll, und da bei mir gerade das Studium des Schreibens dran ist, wollte ich es noch einmal lesen.

Wenn man Stephen King liest, kennt man seine Nachworte, seine Anekdoten über die Romane oder Geschichten, die er anhängt. Das Leben und das Schreiben ist auf der einen Seite eine Sammlung solcher Anekdoten, kleine Schnappschüsse aus seinem Leben, die – kennt man die Romane – ihn offensichtlich sehr geprägt haben. Auf der anderen Seite die Schreibtipps. Eine Sammlung an Tipps, von denen ich auch im Studium immer wieder welche höre, und mit denen es mir wie mit allen Tipps geht. Manche kann ich super annehmen. Andere brauchen ihre Zeit, bis ich sie verstehe. Und einige sind definitiv nichts für mich.

Aber: Er beschreibt und erklärt gut. Sowohl das Leben, als auch das Schreiben. Ich habe keine Ahnung, ob das Buch etwas für jemanden ist, der noch nie einen King gelesen hat. Aber mir hat es wieder sehr gut gefallen. Es hat mich schon damals beeindruckt und geprägt. Der Untertitel dieses Blogs ist daran angelegt. Und manche Sachen habe ich auch in den 15 Jahren nicht vergessen und ich musste grinsen, als ich sie wieder gelesen habe. Dieser Mann beeindruckt und prägt mich immer noch.

Das Leben und das Schreiben von Stephen King wurde übersetzt von Andrea Fischer und erschien im Hardcover bei Ullstein.

Buch: Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah von Haruki Murakami

Der erste Satz aus Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah:

Eines schönen Morgens im April komme ich auf einer kleinen Seitenstraße in Harajuku an dem 100%igen Mädchen vorbei.

Dies ist das erste Buch, das ich von Murakami gelesen habe. Ich habe schon viel über ihn gehört, viele Bücher liegen hier auch von ihm, aber bisher kam ich nicht dazu, sie zu lesen. Jetzt aber. Und zu Beginn diese Kurzgeschichtensammlung. Vielleicht schaue ich irgendwann zurück auf diesen Anfang meiner Murakami reise und sage, dies war kein guter Anfang. Aus dem jetzigen Standpunkt aber bin ich ganz zufrieden. Klar, nicht alle Geschichten gefallen mir. Aber viele. Und oft habe ich Sätze unterstrichen. Er schafft eine schöne Balance zwischen zwischen hochphilosophischen Gedanken und elementar derben Trieben. Und was am Ende übrig bleibt, war folgende Erkenntnis: Ich bin nicht alleine. Murakamis Geschichten zeigen mir deutlich, egal wie alt man ist oder wo man her kommt, es gibt elementare Gedanken und Gefühle, die sich einfach nicht ändern und die jeder hat. Oder zumindest Murakami und ich. Und allein dieses Gefühl war er wert, das Buch gelesen zu haben. Ich freue mich auf mein nächstes Werk von ihm, ich glaube, ich werde aber mit einem Roman weitermachen.

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah von Haruki Murakami wurde übersetzt von Nora Bierich und erschien bei btb.

Roman: Straight White Male von John Niven

Der erste Satz aus Straight White Male:

Bequem in den Clubsessel gelehnt, schlug Kennedy Marr die Beine übereinander und starrte aus dem deckenhohen Fenster, als müsse er die Frage überdenken.

Kennedy Marr ist ehemals erfolgreicher Autor, der viel trinkt und gerne fickt, einem Charles Bukowski nicht unähnlich. Mittlerweile in L.A. angekommen, versucht er irgendwie über die Runden zu kommen und das Verhältnis zu seiner Tochter einigermaßen gut zu halten. Aus finanzieller Verzweiflung nimmt er Dozentenstelle an einer Universität an, um jungen Menschen das schreiben beizubringen. Umgeben von vielen jungen Frauen nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Ich habe den Roman gerne gelesen. Er ist gut und flüssig geschrieben und hat seine tiefen Momente. Aber leider zieht er bei jedem Vergleich ganz knapp den kürzeren:

Straight White Male vs. Californication

Wer die Serie Californication kennt, erkennt hier große Ähnlichkeiten, und das ändert sich auch bei der Lektüre des Romanes nicht: Straight White Male ist die Romanversion von Californication. Ja, die Hauptpersonen heißen anders und nicht beide kommen aus Irland, aber das war es dann auch mit den großen Unterschieden. Was aber überhaupt nicht schlimm ist. Ich kenne und lese John Niven schon seit einigen Büchern und mag seine derbe und extreme Schreibweise. Zusammen mit dem Thema versprach das ein großer Spaß zu werden. Ist es auch. Es ist derb, extrem, skurril und lustig, wie seine anderen Bücher auch. Und es ist sehr nah an Californication. Das tut dem Lesevergnügen erstmal keinen Abbruch, aber mit der Serie hat das Buch einen ebenso derben und guten Konkurrenten. Und natürlich vergleicht man andauernd, wenn man beides kennt. Dabei kommt raus: Die Serie ist krasser, hat die größeren Ausschläge und komischen Momente. Aber der Roman ist menschlicher. Hank Moody aus Californication ist ein geiler Typ, keine Frage. Aber man will nicht mit ihm tauschen. Kennedy Marr dagegen macht auch extreme Sachen, aber hat eine große menschliche, zweifelnde Seite, er ist nicht ganz so abgebrüht, wie Moody. Und das lässt das Buch glänzen und gibt ihm seine guten Momente. Von der Story her aber ist die Serie größer.

Straight White Male vs. die anderen Bücher von John Niven

Wie gesagt, der Roman liest sich super und macht unglaublich Spaß, meiner Meinung nach hat John Niven aber mit Gott bewahre und Coma bessere Bücher geschrieben. Ich habe diesen hier gern gelesen. Aber ich freue mich auf neue, stärkere Bücher.

Straight White Male von John Niven wurde übersetzt von Stephan Glietsch und erschien bei Heyne Hardcore.

Roman: Superhero von Anthony McCarten

 

Der erste Satz aus Superhero:

Aufblende…

Und damit sind wir mitten im Roman, der aufgrund seines Schreibstils eigentlich keiner ist. Anthony McCarten beschreibt die Geschichte des 14jährigen, an Krebs erkrankten Don. Der Junge ist noch Jungfrau und hat noch nie die Liebe einer Frau gespürt, die nicht seine Mutter ist. Und da er wohl nicht mehr so lang zu leben hat, ist dies sein größtes Problem. Um irgendwie damit umzugehen erschafft er seinen eigenen Comic über den Helden MiracleMan, der Mann, der quasi unsterblich ist. Dons Comics sind so verstörend gewalttätig, pervers und düster, so dass seine Eltern den Psychologen Adrian hinzuziehen. Und somit beginnt die Geschichte zwischen den beiden Männern, in der immer undeutlicher wird, wer hier eigentlich wem hilft.

McCarten erzählt eine schöne Geschichte über die Liebe, das Leben und den Tod. Leider hat mich die Form, in der er erzählt, sehr gestört. McCarten schreibt fast ein Drehbuch, mit Sprecherangaben und Regieanweisungen, angereichert mit den Gedanken der jeweiligen Personen. Ja, irgendwann habe ich mich daran gewöhnt. Aber so richtig Spaß macht das nicht. Viel zu oft dachte ich, mann, kann er nicht ganz normale Sätze schreiben?

Der Roman und die Geschichte sind schön und lesenwert, die Textform dagegen hat mich gestört. Vielleicht geht es euch da anders.

Superhero von Anthony McCarten wurde übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié und erschien bei Diogenes.

Roman: Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence

 

Der erste Satz aus Das unerhörte Leben des Alex Woods:

 Sie griffen mich in Dover auf, als ich wieder einreisen wollte.

Diese Geschichte beginnt, wo sie eigentlich endet und erzählt sich dann wieder von vorne. Ein alter Kniff, der aber in Alex Fall sehr gut funktioniert. Alex ist ein junger Mann von 17 Jahren, als diese Geschichte endet, sie beginnt, als er 10 ist, und sie beginnt mit einem Knall. Anfangs, da weiß man nicht, was genau da eigentlich los ist und warum wir Alex so gerne zuhören. Alex hat keinen Krebs, das kann ich versichern, die Angst hatte ich nämlich. Tatsächlich ist die Geschichte doch ein wenig ungewöhnlicher. Und so folgen wir diesem Reisebericht durch die sieben Jahre. Faszinierend. Ich will nichts über die Geschichte selbst sagen. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Reisen und Literatur und das Leben, manchmal ein wenig Klischeehaft, dann wieder so erfrischend, dass man über die schon zu oft gelesenen Floskeln hinwegsieht. Gavin Extence, Jahrgang 1982 aus England, hat hiermit einen tollen ersten Roman hingelegt, den man sehr schnell runterlesen kann. Der einen Zug hat und der es einem erlaubt, in der Geschichte zu verweilen.

Dazu kommt, dass das Team von Limes hier volle Arbeit geleistet hat, wenn wir mal von Titel absehen. Dieser ist mir zu sehr auf einen aktuellen Trend angelegt, im Original heißt es: The Universe Versus Alex Woods. Aber ansonsten: Ein tolles Cover, welches sich mit der Lektüre des Buches auch immer mehr erschließt und einen hingebungsvollen Satz! Jetzt Mail, jeder handgeschriebene Zettel unterschiedlicher Personen hat eine andere Schrift und ein anderes Aussehen bekommen. Das sieht nach Liebe aus und wertet das Buch, sowieso schon in Hardcover und mit Lesebändchen, unglaublich auf. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen, sowohl von der Aufmachung, als auch von der Geschichte. Ich bin sehr gespannt, was wir als nächstes von Gavin Extence lesen dürfen.

Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence wurde übersetzt von Alexandra Ernst und erschien bei Limes.