Buch: Der Spaß an der Sache von David Foster Wallace

David Foster Wallace war als Journalist berühmt und berüchtigt.

Der erste Satz aus dem Vorwort von Ulrich Blumenbach in Der Spaß an der Sache.

Zehn Jahre nach seinem Tod veröffentlicht KiWi erstmals alle Essays von David Foster Wallace auf Deutsch, in einem Band. Mehr als 1000 Seiten in einem silbernen Umschlag samt schwarzer Schrift, wie der silberne kleine Bruder von ‚Unendlicher Spaß‚ passen die beiden wunderbar zueinander.

Ulrich Blumenbach hat nicht nur die meisten Texte des Bandes übersetzt, sondern auch die Reihenfolge vorgegeben. 35 Texte, sortiert in Themen wie Tennis, Politik oder Leben.

Ich durfte mich in Hildesheim ein Semester lang mit Wallace auseinandersetzen, ein paar seiner Texte, Essays und Ausschnitte aus den Romanen lesen und sich immer tiefer darin verfangen. Ich glaube, ohne eine gewisse Vorbereitung, ohne ein bisschen Vorwissen kann Wallace einen erstmal erschlagen. Selbst für mich war dieses Buch eine Bergbesteigung, die sich auf jeden Fall gelohnt hat, die aber immer mal wieder sehr sehr anstrengend war.

Ich glaube kaum, dass viele dieses Buch in einem Stück lesen, sondern sich immer mal wieder einen Essay zu Gemüte führen. Nebenbei sieht es ziemlich gut aus im Regal. Ich habe es von vorne bis hinten gelesen und neben der Anstrengung und der Freude passiert bei diesem hintereinander weglesen etwas, das Blumenbach auch in der Einleitung erwähnt: Zwischen den Essays, die mehr als 25 Jahre des Schaffens umspannen, tauchen Verbindungslinien auf. Dinge, die sich kreuzen, Gedankengänge, die wieder auftauchen und konkreter werden und Erwähnungen, die aufgrund des Vorwissens ganze Synapsenfeuerwerke auslösen. Plötzlich sind es eben nicht einzelne Texte, sondern Teile eines umspannenden Werkes.

Ich musste mich immer wieder aufraffen, mich durch alles zu lesen, besonders, wenn die Themen mich erstmal nicht interessiert haben. Aber besonders in diesen Essays hat Wallace es geschafft, mich neu für Dinge zu sensibilisieren. Nicht immer zu begeistern, aber zumindest den Respekt für Dinge wie Tennis oder Landwirtschaftsmessen oder Kreuzfahrten aufzubauen.

Der Spaß an der Sache ist ein großes Buch in mehrlei Hinsicht, eine wunderbare Sammlung voller Ideen und Gedanken, die mich lange beschäftigt haben. Immer noch beschäftigen.

Der Spaß an der Sache von David Foster Wallace wurde herausgegeben von Ulrich Blumenbach, übersetzt von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingedaay und erschien bei KiWi. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ich habe das Buch auch im Podcast des literaturcafe.de besprochen.

Buch: Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman

Der erste Satz aus Beobachtungen aus der letzten Reihe:

Ich bin dem Journalismus entflohen – oder habe mich ungeschickt von ihm gelöst -, weil ich die Freiheit haben wollte, mir selbst Sachen auszudenken.

Ich kenne Gaiman noch gar nicht so lange, aber ich lese seine Bücher gern, ich mag dieses Realität plus einen Hauch Magie. Ich sehe ihn mir auch gern an, wenn er Reden und Vorträge hält. Nun ist ein ganzes Buch davon entstanden, eine Sammlung von Vorworten, Essays, Reden und Vorträgen, die Gaiman in mehr als 20 Jahren in der Unterhaltungsbranche verfasst hat.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/172557336962/und-literatur-schenkt-und-empathie-sie-versetzt

Einigermaßen sortiert nach Dingen über das Schreiben selbst, über andere Menschen und über seine eigenen Geschichten. Gaiman schreibt selbst, es ist kein Buch, dass man einfach von vorne nach hinten lesen sollte. Ich habe es getan und es klappt tatsächlich nicht gut. Weil Gaiman zwar extrem gut Geschichten erzählen und Vorträge halten kann, aber gelesen funktionieren diese Vorträge leider nicht so gut, wie wenn man sie hört. Und wenn man einen nach dem anderen liest, merkt man eben doch, dass sie aus einem Kopf kommen und manche Bilder, Ideen und Anekdoten – so gut sie sind – immer wieder von Gaiman verwendet worden. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, schon zu kennen, was ich las.

Es sind viele schöne Texte in diesem Buch, viele Leseempfehlungen und viele tolle Gedanken, richtig spannend wird es aber dann, wenn Neil Gaiman seine alten Texte nochmal kommentiert und in Zusammenhang bringt.

Es ist eine gute Zusammenstellung zum Teil sonst kaum erhältlicher Texte und ich hatte meine Freude, es zu lesen. Aber ich kann es nur Fans empfehlen und wünschte mir mehr Aufmerksamkeit und ein wenig mehr Zeit bei der Komposition.

Eine Sache noch, im Original heißt das Buch ‚The View from the Cheap Seats‘. Der titelgebende Aufsatz heißt im Buch auch ‚Die Aussicht von den billigen Plätzen‘. Warum das Buch selbst eine ungenauere Übersetzung erhalten hat, weiß ich nicht, aber es irritiert mich.

Beobachtungen aus der letzten Reihe von Neil Gaiman wurde übersetzt von Rainer Schumacher und Ruggero Leò und erschien bei Eichborn. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.