Menü Schließen

Schlagwort: Fragen Sie nach Fritz

Buch: Fragen Sie nach Fritz von Husch Josten

Der erste Satz aus Fragen Sie nach Fritz:

P.S.: Ich habe Fritz getroffen.

Nach zwei Romanen liefert Husch Josten einen Kurzgeschichtenband nach. 10 Geschichten, die alle in irgendeiner Weise darum gehen, die verschiedenen Wahrheiten zu finden. Und tatsächlich sind sie alle Kurzgeschichten im ursprünglichen Sinne: Ein abrupter Beginn, ein plötzliches Ende und ein kurzer Ausschnitt aus den skurrilen Eigenheiten, die man in jedem Leben finden kann. Ich habe die Geschichten gern gelesen, aber leider ging es mir wie bei vielen Kurzgeschichten, ich war immer traurig, wenn sie so schnell vorbei sind und mich mit zu viel Interpretationsmöglichkeiten lassen. Deshalb waren das zwar schöne Worte, die da aneinandergereiht waren, aber ich freue mich dann doch wieder mehr auf einen Roman. Und laut meinem Interview mit Frau Josten kommt dieser auch als nächstes.

Fragen Sie nach Fritz von Husch Josten erschien bei Berlin University Press 

Interview: Husch Josten, Autorin von „Fragen Sie nach Fritz“

Husch Josten ist Journalistin und Schriftstellerin aus Köln. Nach den Romanen „In Sachen Joseph“ und „Das Glück von Frau Pfeiffer“ – beide gern gelesen – ist jetzt die Kurzgeschichtensammlung „Fragen Sie nach Fritz“ erschienen, die Rezension folgt bald.

Im Laufe der Zeit haben sich ein paar Fragen angesammelt, die ich Frau Josten gern stellen wollte. Also, Mail geschrieben, positive Antwort bekommen. Hier also sind meine Fragen über ihre Geschichten und das Schreiben generell, samt der Antworten von Husch Josten. Es war ein Interview per Mail, deshalb konnte ich leider nicht so auf die Antworten reagieren, wie ich gern hätte.

Fabian: Frau Josten, erstmal vielen Dank für diese Möglichkeit des Interviews. Vor zwei Jahren habe ich Ihren Debütroman „In Sachen Joseph“ gelesen und seitdem auch den zweiten Roman „Das Glück von Frau Pfeiffer“ und die aktuell erschienene Kurzgeschichtensammlung „Fragen Sie nach Fritz“. Warum ist gerade „Fragen Sie nach Fritz“ die titelgebende Geschichte? Hat sie eine besondere Stellung?

Husch Josten: Auch in diesem Klischee steckt ja eine kleine Wahrheit: Die Figuren wachsen einem beim Schreiben mehr und weniger ans Herz – bei Fritz war es mehr, daher steht er am Anfang und gab der Geschichtensammlung den Titel.

In welchem Zeitraum haben Sie die Kurzgeschichten geschrieben? Oder: Warum plötzlich Kurzgeschichten?

Ich schreibe immer wieder Kurzgeschichten, bin auch eine leidenschaftliche Kurzgeschichtenleserin: John Cheever, Alice Munro, Saul Bellow, Hemingway, Thomas Mann…

Was ist leichter, Kurzgeschichten oder Romane?

Das ist natürlich eine höchst individuelle Angelegenheit… Ich finde: Romane.

Und was macht mehr Spaß?

Mal macht es glücklich, zu schreiben; gleich darauf ist es grauenhaft. Mal geht es leicht von der Hand, dann wieder quält man sich – bei Romanen wie Kurzgeschichten absolut gleich.

In einem Interview zu „In Sachen Joseph“ erzählen Sie, dass Ihre Figuren nur winzige Details von Ihnen selbst haben, also kaum autobiografische Züge tragen. In einem anderen Interview zu „Das Glück von Frau Pfeiffer“ erzählen Sie, dass Sie selbst eben das getan haben, was die Hauptfigur tut, das Mitschreiben fremder Handytelefonate. Wie ist das bei den Kurzgeschichten? Wieviel Autobiografie steckt in Ihnen?

So viel wie in jeder anderen Geschichte auch: Aus vielem wird das Ganze, immer handelt es sich um Bruch- und Versatzstücke; das eigene Beobachten, Erleben wird verändert, verzerrt, verdreht… Oft ist der Auslöser für eine Geschichte nur ein Detail, ein winziger Augenblick.

Ich mag das Coverdesign, die wiederkehrenden und wiedererkennbaren Elemente Ihrer Bücher. Haben Sie da Einfluss darauf?

Grundsätzlich ist die Linie die meines Verlags „Berlin University Press“; entworfen von einer fabelhaften Agentur in Hamburg. In diese Linie muss jedes Cover passen. Wenn es um die Bildauswahl fürs Cover geht, gibt es Vorschläge der Agentur, meines Verlegers und von mir und aus all denen wählen wir gemeinsam die beste Idee. Die, die uns allen gefällt.

Und sind die Titel die, welche Sie wollten?

Absolut. Was nicht heißt, dass wir – also Verleger, Lektor und ich – nicht auch mal ringen und diskutieren.

Sie haben den Großteil Ihres Lebens in Berufen verbracht, die mit Worten und mit dem Schreiben zu tun haben. Ist der Beruf der Schriftstellerin das Ziel dieses Weges?

Ich habe mit fünf Jahren meine erste Schreibmaschine bekommen – eine kleine, blaue Kinderschreibmaschine aus Plastik, weil ich meinen Eltern offenbar glaubhaft erklärt hatte, dass ich Schriftstellerin werden möchte. Allerdings hätte ich mich nie getraut, mit 18 oder 19 Jahren ein Manuskript hinzulegen – ich hatte das Gefühl, erst eine Grundlage schaffen, auf verschiedenen Ebenen schreiben zu müssen. Das klingt jetzt strategisch, tatsächlich geschah es intuitiv. Ich wollte schreiben, also habe ich mich in Berufen ausprobiert, in denen ich schreiben konnte. Ich habe auch leidenschaftlich gern als Journalistin gearbeitet.

Und woher kommt dieser Wunsch, Geschichten zu erzählen?

Ich kann es Ihnen beim besten Willen nicht sagen.

In vielen Ihrer Geschichten, auch in den Romanen, geht es oft um Wahrheiten und Lügen, die uns umgeben. Dieses Streben nach Wahrheit, ist das ein Nebeneffekt des Journalistendaseins?

Mit der Wahrheit ist es ja eine höchst schwierige Angelegenheit. Ob man sie tatsächlich finden kann… Ein Journalist hat mal über „Das Glück von Frau Pfeiffer“ geschrieben, es gehe um Erkenntnisdrang. Damit könnte ich mich eher anfreunden: Kein Streben nach Wahrheit, sondern der Versuch, die verschiedenen Wahrheiten zu verstehen.

Die beiden Romane sind in London entstanden. Färbt der Standort auf die Romane ab?

Ein wenig schon, ja.

Und wo sind die Geschichten aus dem aktuellen Band entstanden? Gibt es dort Abfärbungen?

In meiner Heimatstadt Köln, auf Reisen, in London… Wie gesagt: Ich schreibe immer wieder Kurzgeschichten, wo ich gerade bin. Und so gibt es Abfärbungen der Atmosphäre, der Luft, meiner gesamten Umgebung.

In einer Pressemitteilung zu „In Sachen Joseph“ sagen Sie: „Ich denke in ersten Sätzen.“ Wenn ich es richtig verstehe, mag ich den Satz sehr. Wieviele erste Sätze sind denn derzeit in Ihrem Kopf? Oder: an wievielen Geschichtenprojekten arbeiten Sie derzeit?

Im Moment konzentriere ich mich auf einen ersten Satz; ich arbeite an einem neuen Roman.

Fühlt sich das Schreiben für Sie wie Arbeiten an?

Ja – ein tägliches, stundenlanges, diszipliniertes, einsames, manchmal nervendes, manchmal reibungsloses Arbeiten. Herrlich!

Frau Josten, vielen Dank für Ihre Zeit, ich freue mich auf den nächsten Roman und wünsche Ihnen alles Gute!