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Hörbuchtrilogie: Empire of Storms von J. Kelley Skovron, gesprochen von Matthias Lühn

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Käptan Sin Toa bereiste diese Meere schon seit vielen Jahren als Händler, und so etwas hatte er bereits gesehen. Das machte es nicht einfacher.

Der erste Absatz aus Empire of Storms 1 – Pakt der Diebe

Hope ist die einzige Überlebende ihres Dorfes und wächst in einem Kloster unter Kampfmönchen auf. Rache lässt sie nicht los. Red wächst als Waise in den Straßen einer Hafenstadt auf und will nur der beste Dieb der Welt werden. Bis er auf Hope trifft.

Ich finde die deutschen Cover ziemlich abschreckend und hätte die Reihe fast links liegen lassen, war dann aber vom Klappentext doch angetan. Also eingetaucht, knapp 16 Stunden später aus dem ersten Teil wieder aufgetaucht und gleich mit Teil 2 (18 Stunden) und Teil 3 (15 Stunden) weitergemacht. Skovron schafft eine wunderbare phantastische Welt und Charaktere, die mich in ihrer Skurrilität immer wieder an Terry Pratchett erinnern. Auch der Schreibstil hat etwas von Pratchett, manchmal voller Witz und krudem Humor, dann wieder Tiefe, die ich zwei Sätze vorher nicht erwartet habe. Im Laufe der drei Bücher faltet sich die Welt immer weiter auf und jetzt, wo es vorbei ist, habe ich Sehnsucht. Wie nach einem langen Urlaub in einem fremden Land.

Wie es bei guter Fantasy der Fall sein sollte, gibt es auch hier die Parallelen zu unserer Welt und der Zeigefinger auf ein paar unserer Probleme. Vom Patriarchat über die Rolle der Kirche bis zur Stellung der Frau. Inklusive einer Trans-Figur, die im Laufe der Reihe quasi zum dritten Hauptcharakter heranwächst. Als ob Skovron selbst sich freigeschrieben hat: Steht an vielen Stellen (auch auf den Covern der Reihe) noch der alte Name, sind die Webseite und die sozialen Medien unter J. Kelley Skovron zu finden.

Empire of Storms ist eine großartige Reihe, die ich wirklich extrem gerne gehört habe.

Pakt der Diebe, Schatten des Todes und Schwur der Kriegerin von J. Kelley Skovron wurden übersetzt von Michelle Gyo, gesprochen von Matthias Lühn und erschienen beim Ronin Hörverlag. Der Verlag hat mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Der Junge aus dem Wald von Harlan Coben, gelesen von Detlef Bierstedt

Vor mehr als 30 Jahren wird Wilde als kleiner Junge im Wald gefunden und niemand weiß, wohin er gehört. Mittlerweile ist er privater Ermittler, immer noch sehr zurückgezogen und auf der Suche nach einem verschwundenen High-School-Mädchen.

Es ist schwer, die Geschichte von Der Junge aus dem Wald zusammenzufassen, weil da zu viele Sachen gleichzeitig passieren. Erstmal auch gar nicht so gut, weil ich als Hörer ziemlich verwirrt bin. Der Titel bezieht sich auf Wilde, den Ermittler, die Story aber nur zum Teil, weil es ja um das verschwundene Mädchen geht. Und dann sind da noch all die Geheimnisse, die wegen dieses Verschwindens ans Licht kommen. Aber ich lasse mich sowieso drauf ein, weil ich vor ein paar Jahren ein paar Bücher von Coben gehört habe und seine Schreibe mag. Und Wilde (der mich an Christopher Knight erinnert) ist ein Charakter, der mich interessiert.

Anfangs bin ich auch ein wenig irritiert von der Art, wie Detlef Bierstedt diesen Roman vorliest. Einerseits sind Frauenrollen nicht seine Stärke, andererseits fühlt es sich an, als ob Bierstedt keine Kraft hat oder krank ist oder so. Vor ein paar Jahren habe ich ihn auf einer Lesung gesehen und ich habe ihn schon in ein paar Hörbüchern gehört, ich mag ihn sehr, aber diesmal ist irgendwas komisch. Aber sobald ich mich daran gewöhnt habe und an den Fakt, dass in diesem Buch so viele Stränge laufen, dass man es kaum zusammenfassen kann, bin ich ziemlich fasziniert.

Mir fällt auf, dass Cobens Thriller gar nicht so sehr über die Spannung getrieben werden, sondern über seine handwerklichen Fähigkeiten als Autor. Harlan Coben kann richtig gut schreiben. Ich höre mir beispielsweise auch gern einen Fitzek an, weil das leichte und spannende Unterhaltung ist, aber Coben spielt sprachlich auf einem ganz anderen Niveau. Und handelt fast nebenher seine Haltung zu Trump, zum Wahlkampf in Zeiten von Social Media und Fake News ab.

Trump kommt gar nicht vor. Aber es gibt eine Figur, ein Präsidentschaftskandidat, der sehr viele Züge von ihm aufzeigt. Anhand dieser erklärt Coben sehr kurz und einleuchtend die Hufeisen-Theorie (ob sie stimmen mag, ist eine andere Frage) und zeigt, warum es für eine politisch wichtige Figur von Vorteil sein kann, verschiedene Lager gegeneinander aufzuwiegeln.

Irgendwann ist der Fall, mit dem dieses Buch startet, nur noch Beiwerk und es wird inhaltlich größer, als ich gedacht hätte. Es geht um Politik, um den Druck, Menschen gefallen zu wollen, um Liebe im Alter und um die Frage, ob wir unsere Wurzeln kennen müssen, um zu wissen, wer wir sind. Am Ende ist dann auch klar, dass nicht nur ich den Jungen aus dem Wald spannend finde. Dies scheint der Auftakt einer neuen Buchserie zu sein und einige Geheimnisse wurden nur angedeutet, aber lange nicht gelöst.

Ein überraschend politisches und gut geschriebenes Buch, das weit über „Wird der Fall gelöst?“ hinausgeht. Ich bin gespannt auf die weiteren Bände.

Der Junge aus dem Wald von Harlan Coben, gesprochen von Detlef Bierstedt, wurde übersetzt von Gunnar Kwisinski und erschien bei der Hörverlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Manhattan Beach von Jennifer Egan, gelesen von Nina Kunzendorf

Anna merkte erst, wie nervös ihr Vater war, als sie das Haus von Mr Styles erreichten.

Der erste Satz aus Manhattan Beach

Anna wächst im New York der 1930er auf, ohne Vater und mit dem großen Drang, Dinge zu tun, die damals Männer vorbehalten sind. Und sie setzt mit Tränen, Schweiß und Herzblut ihren Kopf durch.

Seit A visit from the Goon Squad („Der größere Teil der Welt„) hat Jennifer Egan bei mir einen Stein im Brett. Ich war damals ziemlich beeindruckt von ihrer Schreibe.

Manhattan Beach hat eine ähnlich gute Schreibe, funktioniert aber ganz anders. Weniger experimentell, dafür sehr eindringlich beschreibt Egan, wie Anna sich durch die Männerwelt am Hafen New Yorks kämpfen muss, wie sie sich aus aus ihren und den gesellschaftlichen Zwängen befreit und versucht, ihren Weg zu finden. Und dann kommen noch die Erzählstränge von Annas Vater und des Gangsterbosses Dexter dazu. Vielleicht auch wegen der Lesung von Nina Kunzendorf, die mich im besten Sinne an Luise Helm erinnert, muss ich während des Buches immer wieder an ein paar Romane von Jojo Moyes denken, als ob dies die rauere, blutigere und nicht ganz so romantische Version wäre.

Ich mag Anna und die Geschichte, ich folge ihr gern und leide mit ihr. Aber am Ende bleibe ich nicht ganz befriedigt zurück. Ein gutes Porträt, eine starke Frau, aber kein, nichtmal ein offenes Ende. Schade.

Manhattan Beach von Jennifer Egan wurde übersetzt von Henning Ahrens und gesprochen von Nina Kunzendorf. Der Roman erschien bei Fischer, das Hörbuch bei Argon. Argon hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, gelesen von Robert Frank

Im Morgengrauen hatte Theo den Aufstieg begonnen.

Der erste Satz aus Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt

Das ist also der vierte und letzte Teil der Reihe über Tom und Hester und ein ziemlich direkter Anschluss an den dritten Teil, den ich am schwächsten fand. Aber hier holt Philip Reeve alles wieder auf. In mehrerer Hinsicht.

Storytechnisch will ich gar nichts erzählen, niemand wird mit diesem Band einsteigen. Aber wenn ihr mit dieser Reihe angefangen habt, lohnt es sich wirklich, bis zu diesem Teil zu kommen.

Die Story: In diesem vierten Teil zieht Reeve nicht nur Fäden aus allen drei vorherigen Romanen zusammen und mehrere saubere Bögen zum Anfang, was schon ziemlich sauber gewesen wäre. Reeve schafft es am Ende, sein ganzes Quartett in einen noch größeren Kontext zu setzten. Erinnert ihr euch an das Ende des ersten „Men in Black“? So ähnlich fühlt es sich hier auch an. Im besten Sinne.

Die Sprache: In den anderen Teilen haben mich die Geschichte und das Setting überzeugt, die Sprache war okay. Aber irgendwas muss zwischen den anderen und diesem Teil passiert sein, weil Reeve mich jetzt auch mit der Sprache überzeugen kann. Er baut sehr schöne Strukturen und Bilder und die Sprache allein macht mich lächeln.

Die verlorene Stadt ist ein sehr schöner Abschluss einer spannenden Geschichte in einer fantastischen Welt. Reeve hat noch einige andere Geschichten in seiner Welt erzählt, meines Wissens gibt es die aber noch nicht auf Deutsch. Wäre schön, wenn das noch passiert.

Mortal Engines – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Diner des Grauens von A. Lee Martinez, gelesen von Oliver Rohrbeck

Irgendwo im Nirgendwo, an einer verlassenen Straße, träumte das Diner von den hungrigen Toten.

Der erste Satz aus Diner des Grauens

Earl und Duke sind ein Vampir und ein Werwolf, sind beste Freunde und gemeinsam unterwegs. Als sie zufällig an diesem Diner anhalten, das von Zombies angegriffen wird, wissen sie, dass sie nicht verschwinden können, solange das nicht geklärt ist.

So skurril, wie sich das liest, ist das ganze Buch. Ich kannte A. Lee Martinez vorher nicht und war so ziemlich von Anfang an angetan. Er konstruiert eine verrückte Welt, in der alles möglich ist, erzählt eine witzige und spannende Geschichte, irgendwo zwischen Max Brooks, Jasper Fforde und Terry Pratchett, die sich total schön anhören lässt. Ich schmunzele andauernd, bin gespannt, wie es weitergeht und bin ein wenig traurig, als es zu Ende ist.

Am meisten gestört hat mich leider die Art, wie Oliver Rohrbeck den Roman gesprochen hat. Ich mag seine Stimme sehr und ich mag vieles, was er macht. Bei diesem Buch habe ich das Gefühl, er traut der Geschichte nicht und legt besonders im ersten Drittel eine erzwungene Coolness in die Stimme, die weder er noch der Roman brauchen. Die überzogene Art des Sprechens passt zwar zur überzogenen Geschichte, mir hätte es besser gefallen, wenn Oliver Rohrbeck der Geschichte mehr Platz gelassen hätte. Irgendwann groovt er sich ein und dann greifen Sprecher und Geschichte noch besser ineinander.

Ein phantastischer Roman, der grandios unterhält, leider ein wenig gewollt vorgelesen. Nun mal sehen, wann ich mal wieder was von A. Lee Martinez in die Finger bekomme.

Diner des Grauens von A. Lee Martinez wurde übersetzt von Karen Gerwig und gesprochen von Oliver Rohrbeck. Das Hörbuch erschien bei der Lauscherlounge.