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Schlagwort: Klett-Cotta (Seite 2 von 2)

Lesung: Cynthia D’Aprix Sweeney am 10.11. im Literaturhaus Stuttgart

Bevor ich die 20 Minuten runter zum Literaturhaus laufe, laufe ich die zehn Minuten runter zu Klett-Cotta, so nah ist der Verlag für mich. Dort fand die Revue statt:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Verlages und der Klett-Gruppe stellten Bücher von Klett-Cotta und Tropen vor. Und zwar vor allen aus der Klett-Gruppe, die sich das gerne ansehen und einigen geladenen Gästen. Star des Abends war Cynthia d’Aprix Sweeney, die über »Das Nest« sprach und daraus las.

Im gut gefüllten Saal gibt es also drei Tipps aus dem neuen Herbstprogramm, nicht vorgestellt von den Verkäufern sondern von Lesern, die eben zufällig auch im Verlag arbeiten. Vorgestellt von Menschen, denen das jeweilige Buch tatsächlich gefällt. Und es ist schön, jemandem zuzuhören, der Begeistert ist, sei es von Geheimnis in Weiß, dem Krimi aus den 1930ern, der jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, oder von Verlangen, einem flämischen Roman über ein Dorf und eine Familie, welche sich plötzlich im ersten Weltkrieg wiederfinden. Und selbst das dritte Buch, Die Blumen der Mode, wird so interessant beschrieben, dass ich es zwar immer noch nicht kaufen würde, aber zumindest darin blättere. Das haben der Titel und das Cover nicht geschafft.

Los geht es aber mit Cynthia D’Aprix Sweeney, Debütantin und Weltbestsellerin, für etwa eine halbe Stunde erzählt sie von ihrem Roman Das Nest, der es in diesem Jahr in mehrere Länder und hunderttausende Hände geschafft hat und nun eben auch auf Deutsch erscheint. Die Agentur Anzinger, Wünscher, Rasp hat einen großartigen Umschlag für die deutsche Ausgabe entworfen, dieser prangt über Sweeney, die mit ihrem trockenem Humor von der Entstehung erzählt und ein wenig daraus vorliest. Dann geht sie und macht Lust auf mehr. Ein Glück werde ich zwei Stunden später auf ihrer Lesung sein.

Zwei Stunden später, im Literaturhaus stehen vielleicht ein Dutzend Tische vor der Eckbühne, auf der Bühne begrüßt Stefanie Stegmann Sweeney, Johann von Bülow, der nicht nur bei den Lesungen dabei ist, sondern auch das Hörbuch gesprochen hat, und Moderatorin Petra Mostbacher-Dix, dann übernimmt Frau Mostbacher-Dix. Sie kann nicht nur fließend zwischen Deutsch und Englisch wechseln, sie kennt und mag den Roman offensichtlich, zusätzlich kennt sie sich auch gut in New York und den dortigen Gesellschaften aus und diese spielen in Das Nest eine große Rolle. So werden wir durch den Abend unterhalten, bekommen Antworten, Informationen, Ausschnitte auf Englisch und auf Deutsch. Sweeney ist witzig und reagiert wunderbar, Johann von Bülow lässt sich in die Szenen fallen und es macht extrem viel Spaß, ihm zuzuhören. Doch bei all ihren Fähigkeiten und guten Fragen schafft Frau Mostbacher-Dix es nicht immer, ein Gemeinschaftsgefühl auf der Bühne aufzubauen. Streckenweise sieht Bülow so aus, als ob er aus Versehen auf die Bühne gestellt wurde, andersherum fühlt sich auch Sweeney bei den deutschen Passagen an, wie fehl am Platz. Ich hätte mir ein stärkeres Miteinbeziehen aller Personen gewünscht. Von Bülow begleitet Sweeney nun schon eine Weile, er kennt das Buch extrem gut, ich hätte es spannend gefunden, wie er auf manche Fragen reagiert. Andersherum würde ich auch gern wissen, was Sweeny über von Bülow zu sagen hat.

Generell hätte ich gern Fragen gestellt, aber nach exakt 90 Minuten sind wir durch und wir Applaudieren, Fragen können keine gestellt werden. Ich weiß nicht, ob so etwas vertraglich irgendwo festgelegt wurde und wer das entschieden hat, aber ich dachte, schade, genau das hätte vor jedem anderem Publikum auch passieren können, wir in Stuttgart haben nichts einzigartiges erlebt.

Stattdessen frage ich Sweeney, während sie mein Buch signiert.

Wir reden über die Verfilmung, die kommen wird, Amazon hat sich die Rechte gesichert, Transparent-Produzentin Jill Soloway ist mit dabei und Sweeney selbst schreibt das Drehbuch. Wir reden darüber, wieviel für diesen Film gestrichen werden muss, wie es ist nochmal mehr Zeit mit seinen Figuren zu verbringen, wie es ist, zum ersten Mal ein Drehbuch zu schreiben.

Danach, im Restaurant, sitze ich Johann von Bülow gegenüber und wir reden über das Sprechen, die Kunst ein Hörbuch einzulesen, über Soziolekte und ich habe das Gefühl, ähnlich wie bei Dietmar Wunder vor zwei Jahren, dass er es zu schätzen weiß, dass es nicht nur um den Autoren und den Roman geht.

Irgendwann löst sich die Gruppe auf, ich bedanke mich bei allen für einen schönen Abend, setzte meine Kopfhörer auf und lasse mir auf dem Heimweg von Johann von Bülow den Roman erzählen.

Roman: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor

Der erste Absatz aus Willkommen in Night Vale:

Die Geschichte von Night Vale ist lang und verschlungen, sie reicht Tausende Jahre zurück, bis zur ersten Besiedelung der Wüste.

Darum wird es im Folgenden nicht gehen.

Worum es überhaupt geht in diesem Roman, ist für ziemlich lange Zeit nicht klar. Aber auch nicht wichtig. Willkommen in Night Vale lebt von seiner Skurrilität, sowohl in den Figuren und in der Geschichte, aber auch im Schreibstil.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/145702602327/die-ganze-welt-ist-eine-grafik-die-dir-wenn-du

Ursprung dieser Welt, die Fink und Cranor in diesem Roman beschreiben, ist ein Podcast, in zweimal im Monat die Neuigkeiten der Stadt Night Vale im Stil von Radiosendungen verteilt. Es gibt mittlerweile mehr als 80 Episoden, ein paar Sondersendungen, Live-Shows und im englischen Raum mehr als ein Buch. Heißt, wenn man, wie ich, nur dieses Buch liest, dann weiß man nicht, wie viele Insider man verpasst.

Im ersten Drittel des Buches war ich fasziniert von der Unvorhersehbarkeit, den skurrilen Figuren und dem immer wieder irritierendem Stil. Im zweiten Drittel fand ich genau diese Dinge dann anstrengend. Da fehlte mir eine Story,  die mich dazu bringt, weiterzulesen. Weil sich dann doch irgendwann alles im Kreis dreht. Das macht ne Weile Spaß, dann wird es anstrengend.  Das letzte Drittel dagegen zieht wieder an, da greift dann endlich die Story und zumindest ein paar der viel zu vielen Fäden laufen dann endlich zusammen.

Willkommen in Night Vale ist ein abgefahrenes Buch, welches sich nicht einfach einordnen lässt. Ich kann nicht sagen, für Fans von was das Buch funktioniert. Deshalb am besten die Leseprobe antesten und wem der Stil gefällt, der wird auch mit dem Rest des Buches seinen Spaß haben. Alle anderen: Sorry, nicht alle Welten öffnen sich jedem.

Willkommen in Night Vale von Jeffrey Cranor und Joseph Fink wurde übersetzt von Wieland Freund und Andrea Wandel und erschien bei der Hobbit Presse bei Klett-Cotta. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Manche der Links gehen zu Amazon, ihr seid aber mündig. Holt euch eure Bücher, wo ihr wollt.

Bericht: Die Leipziger Buchmesse 2016

Das Problem bei einer Sache wie die Buchmesse ist, dass zu viel passiert. Philips Artikel über die Buchmesse ist fünf Seiten lang. Verständlich, weil, BAM., einfach zu viel. Mein Bericht über meine letzte Buchmesse in Leipzig ist nie online gegangen, weil es nichtmal geschafft habe, den ersten Tag zu beschreiben, bevor das wieder passiert, hier also sowas wie ein Blitzlichtgewitter an Erinnerungsschnipsel dieser vier Tage in Leipzig.

  • Die Tage in einem Wort, das wäre wohl „Augenhöhe“. Ich komme Mittwoch Abend in Leipzig und bei meinen Messe-Eltern an und ab Donnerstag früh bin ich auf der Messe. Begrüße mir bekannte Menschen und mache aus Kontakten aus Mail und dem Internet echte Bekanntschaften. Ich schlendere durch die Hallen, die schon am ersten Tag gut gefüllt sind und frage mich, warum man als reiner Leser auf die Buchmesse geht.

Meine erste Buchmesse war 1998 und in Frankfurt. Ich war 12 Jahre alt. NuvoMedia stellte das Rocket eBook vor, einen der ersten eReader überhaupt. Mitarbeiter fuhren Wägelchen voller Bücher durch die Gänge und man konnte sich einfach bedienen. Und es gab Massen von Büchern. Die Massen an Bücher sind immer noch da. Die großen Verlage zeigen, was sie haben, legen den Penis auf den Tisch. Die kleinen Verlage versuchen zu zeigen, dass sie überhaupt da sind. Die meisten Leute sind aber bei den Ständen der bekannten Verlage zu finden. Klar, hier ist mehr Auswahl, aber eigentlich findet man deren Programm auch in jeder Buchhandlung. Dafür muss ich nicht auf die Buchmesse.

Ich als irgendwie gearteter Teil dieser Branche laviere durch die Hallen und freue mich mehr über die Menschen, als über die Bücher. Die Bücher machen mir manchmal Angst. So viele von ihnen. So viele potentiell gute Geschichten, die man niemals alle lesen kann.

  • Und die Cosplayer!

Seit meinem letzten Mal hier sind extrem viel mehr dazugekommen. Ein signifikanter Teil der Besucher, die sogar eine eigene Halle bekommen und zum Großteil wahrscheinlich nicht sehr viel mit den restlichen vier Hallen anfangen können. Aber hej, das sind junge Menschen, die sich auf ihre Art und voller Herzblut mit Büchern beschäftigen.

  • In Halle 2, zwischen den Buchdruckern und der Hörspielarena steht ein angekratzter verdreckter blauer Lada Niva. So wie der aus Tschick, denke ich. Und dann erfahre ich, dass es tatsächlich der Filmwagen aus im September erscheinenden Film ist! Da schlägt mein Auto- und Buchherz um einiges höher.

  • Vieles dreht sich diesmal um Blogger. Es gibt eine Bloggerlounge, mehrere Vorträge und Diskussionsrunden „Blogger vs. echten Journalismus“ und Bloggerveranstaltungen von Verlagen. Diese sind ganz schön unterschiedlich. Am Donnerstagabend geht zum Bloggeressen von Klett-Cotta. Eine kleine Runde von vielleicht 25 Leuten, Blogger, Verlagsmenschen und Autoren an zwei Tischen in einem Restaurant in Leipzig. Zwischen den Gängen stellen die Autoren ihre Bücher vor und lesen ein bisschen vor. Während der Gänge essen wir alle und unterhalten uns und es ist egal, ob du Verlagschef oder Blogger bist, du unterhältst dich auf Augenhöhe. Geil.

Einen Tag später ist #blogntalk von Random House. Leider habe ich hier viel mehr das Gefühl von Gefälle, hier werden die Blogger eher wie Fans behandelt und verhalten sich aber größtenteils auch genauso. Also sage ich Sebastian, dem Pressemann von Random House genau das, was er mir glücklicherweise nicht übel nimmt, danach habe ich ein ziemlich gutes Gespräch mit Stephanie Grimm, die ein Sachbuch übers Schlafen geschrieben hat. Hier ist dann wieder Augenhöhe angesagt, ein Zustand bei Kommunikation, den ich immer mehr zu schätzen weiß.

  • Schon vor drei Jahren krass, wie Sebastian Fitzek seinen eigenen Stand neben dem von Droemer Knaur hat und eine Riesenschlange quer durch die Halle geht. Diesmal nur noch krasser.

 

  • Klar, durch das Studium in Hildesheim lernt man relativ viele Menschen aus der Bucbranche kennen, als Blogger dann nochmal mehr. Die Tage sind sind voller Kennenlernen und Wiedersehen. Höhepunke dabei sind der Donnerstag und der Sonntag. Freitag und Samstag sind viel zu viele Menschen da. Trotzdem ist es ganz gut, die ganzen Tage dazusein. Sonntag ist man dann schon krass übermüdet und in einem Tunnelblick, aber man entdeckt immer noch neue krasse Stände. Das ist wie wenn man eben nicht nur ein Wochenende in einer neuen Stadt verbringt, sondern gleich einen Monat. Dann klappert man erst die Touri-Hotspots ab und gegen Ende lernt man dann die eigenen Lieblingsplätze kennen. Buchmesse funktioniert ebenso. Und danach gehts zurück nach Hause mit viel zu vielen Visitenkarten und Eindrücken und Dingen, die alle nicht in trockenen Tüchern sind. Ich bin gespannt, was davon fruchtet, welche Kontakte halten und welche Projekte und Ideen verwirklicht werden. Nächstes Jahr gerne wieder.