Schlagwort: Kritik (Seite 1 von 29)

Roman: Billy Summers von Stephen King

Billy Summers sitzt in der Hotelhalle und wartet darauf, abgeholt zu werden.

Der erste Satz aus Billy Summers

Billy Summers ist Auftragskiller und entgegen des Klischees will er, dass bei seinem letzten Job alles glatt läuft. Was es natürlich nicht tut. Und dann wird da auch noch dieses vergewaltigte Mädchen in der Einfahrt seines Versteckes abgeladen, was die Dinge nur noch komplexer macht.

Stephen King produziert viel zu viel, als dass ich alles von ihm lesen könnte. Aber was ich lese, taugt mir meist sehr. Auch Billy Summers. Vielleicht habe ich den alten Mann in den mehr als 20 Jahren, in denen er mich begleitet, einfach sehr ins Herz geschlossen, ich mag, was er schreibt. Dabei macht er bei Billy Summers total viel voller Klischee und widersprüchlicher Dinge, trotzdem lese ich mich sehr schnell durch diese mehr als 700 Seiten. Und weil ich schon so viel von Stephen King von David Nathan gesprochen gehört habe, habe ich seine Stimme im Kopf, auch wenn ich selbst lese.

Billy Summers ist bei weitem nicht das beste Buch von Stephen King, aber es holt mich ab und lässt mich für eine Zeitlang komplett eintauchen und wie oft in den letzten Jahren überrascht mich King auch hier mit ein paar Kniffen, die er neu anwendet.

Der größte Wermutstropfen ist, dass King diesmal (ganz unüblich) die Entstehungsgeschichte weggelassen hat. Dafür hat er sie dem Esquire erzählt.

Billy Summers ist der typische letzte Job eines Auftragskillers, aber eben von Stephen King erzählt. Und das mache ich jedes Mal gerne mit.

Billy Summers von Stephen King wurde übersetzt von Bernhard Kleinschmidt und erschien bei Heyne. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuchtrilogie: Empire of Storms von J. Kelley Skovron, gesprochen von Matthias Lühn

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Käptan Sin Toa bereiste diese Meere schon seit vielen Jahren als Händler, und so etwas hatte er bereits gesehen. Das machte es nicht einfacher.

Der erste Absatz aus Empire of Storms 1 – Pakt der Diebe

Hope ist die einzige Überlebende ihres Dorfes und wächst in einem Kloster unter Kampfmönchen auf. Rache lässt sie nicht los. Red wächst als Waise in den Straßen einer Hafenstadt auf und will nur der beste Dieb der Welt werden. Bis er auf Hope trifft.

Ich finde die deutschen Cover ziemlich abschreckend und hätte die Reihe fast links liegen lassen, war dann aber vom Klappentext doch angetan. Also eingetaucht, knapp 16 Stunden später aus dem ersten Teil wieder aufgetaucht und gleich mit Teil 2 (18 Stunden) und Teil 3 (15 Stunden) weitergemacht. Skovron schafft eine wunderbare phantastische Welt und Charaktere, die mich in ihrer Skurrilität immer wieder an Terry Pratchett erinnern. Auch der Schreibstil hat etwas von Pratchett, manchmal voller Witz und krudem Humor, dann wieder Tiefe, die ich zwei Sätze vorher nicht erwartet habe. Im Laufe der drei Bücher faltet sich die Welt immer weiter auf und jetzt, wo es vorbei ist, habe ich Sehnsucht. Wie nach einem langen Urlaub in einem fremden Land.

Wie es bei guter Fantasy der Fall sein sollte, gibt es auch hier die Parallelen zu unserer Welt und der Zeigefinger auf ein paar unserer Probleme. Vom Patriarchat über die Rolle der Kirche bis zur Stellung der Frau. Inklusive einer Trans-Figur, die im Laufe der Reihe quasi zum dritten Hauptcharakter heranwächst. Als ob Skovron selbst sich freigeschrieben hat: Steht an vielen Stellen (auch auf den Covern der Reihe) noch der alte Name, sind die Webseite und die sozialen Medien unter J. Kelley Skovron zu finden.

Empire of Storms ist eine großartige Reihe, die ich wirklich extrem gerne gehört habe.

Pakt der Diebe, Schatten des Todes und Schwur der Kriegerin von J. Kelley Skovron wurden übersetzt von Michelle Gyo, gesprochen von Matthias Lühn und erschienen beim Ronin Hörverlag. Der Verlag hat mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Buch: Dein Bücherregal verrät dich von Grant Snider

Ich gestehe: Ich liebe Bücher.

Der erste Satz aus Dein Bücherregal verrät dich.

Als literaturaffiner Mensch kam man in den letzten Jahren nicht an Grant Snider und seinen Zeichnungen vorbei.

Snider schafft es, seine Liebe für Bücher und Geschichten immer wieder neu in tolle Zeichnungen und Comics zu packen, die regelmäßig in den sozialen Medien auftauchen. Jetzt gibt es also eine Sammlung, ein best-of dieser Comics in einem Buch. Übersetzerin Sophia Lindsey hat dabei einen ziemlich guten Job gemacht, im besten Sinne schafft sie es, die Bilder und das Gefühl ins Deutsche zu übertragen. Nur an einigen wenigen Stellen stolpere ich über die Übersetzungen oder die Entscheidungen, die sie trifft.

Insgesamt ist das ein ziemlich nettes Buch geworden, in dem ich mich Bild für Bild verlieren kann und dankbar bin, mit meiner Liebe zu Büchern nicht allein zu sein. Ein Buch zum immer wieder drin blättern und schmunzeln.

Dein Bücherregal verrät dich von Grant Snider wurde übersetzt von Sophia Lindsey und erschien bei Penguin. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: QualityLand von Marc-Uwe Kling

Geneigte Leserinnen und Leser, edle mit hoher Wahrscheinlichkeit existente außerirdische Lebensformen, geschätzte künstliche Intelligenzen und ehrenwerte Suchalgorithmen, ich wünschte Ihnen viel Vergnügen mit diesem Roman.

der erste Satz aus Qualityland

Die Känguruh-Chroniken gehört und gemocht, aber lange nicht dazu gekommen, QualityLand zu lesen. Auch, weil da erstmal viele davon begeistert waren, was mich ein wenig abgeschreckt hat. Aber dann.

QualityLand ist genau das, was ich mir von Marc-Uwe Kling erwarte. Känguruh-Humor meets Science Fiction, die sehr nah an unserer Welt liegt. Mit Social Scores, mit KI und Robotern für alle Lebenslagen. Und den Menschen, die in dieser Welt durch die Maschen rutschen.

Ein Roman voller skurriler Ideen, die sehr gut dorthin passen, voller Anspielungen und satirischer Spitzen, verpackt in dem Humor, den die Känguruh-Chroniken so groß gemacht haben. Und obwohl ich es selbst gelesen habe, hatte ich immer Klings Stimme im Kopf.

Ich mag das Buch und die Welt, mag die Figuren die Kling schafft und die Art, wie er erzählt. So sehr, dass ich gleich danach Buch 2 in die Hand nehme.

QualityLand von Marc-Uwe Kling erschien bei Ullstein.

Aufklärungsbuch: Kommt gut von Jüne Plā

Sexualität ist ein Thema, über das man nicht spricht.

Der erste Satz aus Kommt gut

Ich sah das Buch auf dem Nachttisch einer Freundin, der 12-jährige in mir musste über den Titel grinsen und ich mochte das Cover und die Zeichnungen. Also kaufe ich mir das Buch.

Ich habe vorher noch nie etwas von Jüne Plā und ihren Juissance Club auf Instagram gehört. Aber ab dem Vorwort mag ich ihre offene und verspielte Art, die sich durch das Buch zieht.

251 Seiten über Genitalien, Lustzonen, Masturbation und Ejakulation, inklusive anschaulicher Zeichnungen.

Ich glaube, wir brauchen noch viel mehr Kommunikation und Offenheit über Dinge, die eigentlich normal sind, aber unnormal werden, weil wir nicht drüber reden. Sexualität und sexuelles Vergnügen – besonders weibliches – gehören dazu. Jüne trägt mit ihrem Club und diesem Buch extrem viel bei. Ich habe viel Spaß gehabt und einiges gelernt und freue mich, immer wieder in diesem Buch Dinge nachschlagen zu können. Wäre eine bessere Welt, wenn wir mehr dieser Offenheit hätten.

Danke, Jüne.

Kleiner Wermutstropfen: Sina de Malafosse hat das Buch zwar sehr flüssig, ist aber extrem inkonsistent, was die inklusive Sprache angeht. Das hat mich manchmal rausgeworfen, weil ich nicht herausgefunden habe, nach welcher Form sie * oder / einsetzt. Ansonsten aber: Ein offenes, lockeres Aufklärungsbuch über unsere Körper und die Möglichkeiten, diese zu erregen. Ich liebe die Selbstverständlichkeit, die Jüne an den Tag legt.

Kommt gut von Jüne Plā wurde übersetzt von Sina de Malafosse und erschien bei echt emf.