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Schlagwort: Kritik (Seite 1 von 24)

Comic: Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Sag Mal, Salim, gibt’s bei euch auch Nägel für die Abschüsse bei Weibern?

Der erste Satz aus Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant legen Band 1 von Gung Ho vor, ein großformatiger, Hardcovercomic mit ziemlich geilen Zeichnungen und einer nicht ganz originellen, aber ganz coolen Story.

In dieser postapokalytischen Welt gibt es Gefahren, Gefahrenzonen und gesicherte Städte, die sehr strengen Regeln folgen. Und wenn Jugendliche und Regeln zusammenkommen, dann gibts Chaos.

Zack und Archer sind Brüder, die in diese kleine Sicherheitszone gebracht werden, weil sie Ärger gemacht haben. Aber sie sind Jugendliche und werden auch hier Ärger machen.

Gung Ho mischt (Zombie)Postapokalypse mit Breakfast Club, der Ton ist flapsig und kratzt, ach was, taucht immer wieder unter die Gürtellinie und die Zeichnungen sind ziemlich geil. Gerade, weil das Buch so großformatig ist.

Manche Elemente – in der Story, aber auch bei den Zeichnungen – sind mir zu plump, dafür gibt es andere, die es ziemlich gut schaffen, dieses Gefühl von Aufwachsen in einer gefährlichen Umgebung zu zeigen.

Ich mag die Geschichte, die sich aber leider in diesem Band anfühlt, wie die erste Folge einer neuen Serie. Und danach ist das Buch vorbei. Gerade, wo ich angefixt bin. Gung Ho ist auf 5 Bände angelegt, der letzte erscheint wohl 2021. Solange muss ich mich mindestens auf das Ende gedulden.

Gung Ho 1 – Schwarze Schafe von Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Graphic Novel: My Father Never Cut His Hair von Peter Phobia

This is the story of my father Rudy.

Der erste Satz aus My Father never cut his hair

Titel und Cover haben direkt etwas bei mir ausgelöst. Ich wollte mehr über diese Geschichte und diese Welt erfahren.

Offiziell ist das Buch eine Graphic Novel, aber die passendere Bezeichnung ist Bilderbuch für Erwachsene. Als ob Peter Phobia mit mir am Tisch sitzen würde und von seinem Vater erzählt. Oder zumindest von dem, was er über seinen Vater weiß. Den Inhalt eines Schuhkartons, den er uns mit diesem Buch präsentiert.

Peter hat ein Faible für violett und rosa, das sich auch in diesem Buch zeigt. Die Bilder, als auch die Sprache sind – vielleicht, weil wir von vornherein um die Tragik der Geschichte wissen – melancholisch nüchtern und weil es eine wahre Geschichte ist, berührt sie mich. Gerade seine Bilder und seine Sprache machen diese Geschichte, die leider wohl viel zu oft geschieht, individuell und schön.

Das Buch selbst ist wunderschön gemacht, die Schrift auf dem Cover erhaben, das Papier ein wenig fester, wertig. Es macht Spaß, darin zu blättern und die Geschichte zu erfahren. Nur bei Bildern und Texten über eine Doppelseite kommt das Buch an seine Grenzen, hier sind Druck und Bindung leider nicht so sauber, wie der Rest.

Ein kleines Manko einer sonst sehr schönen Erfahrung: Für eine kurze Weile in die Welt von Peter Phobia eintauchen und sich von ihm berühren lassen.

My father never cut his hair von Peter Phobia erschien bei Luftschacht. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Film: 303 von Hans Weingartner

Seit ich vor 15 Jahren Die fetten Jahre sind vorbei im Kino gesehen habe, haben die Filme von Hans Weingartner bei mir einen Stein im Brett. Ich liebe das immer mit einem Hoffnungsschimmer angereicherte, manchmal sogar fast utopische Hinterfragen von Konventionen und Strukturen.

Ich liebe diese Art, Geschichten zu erzählen, inklusive des Soundtracks und des Gefühls. Bei 303 ist das genauso.

Jule ist mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg zu ihrem Freund in Barcelona, als sie Jan an einer Tanke aufliest und mitnimmt. Und ab diesem Moment ist klar, dass die beiden zusammenkommen werden. Aber es ist der Weg dorthin.

Ein Trip auf Landstraßen durch Europa, samt passendem Soundtrack und ewigen Gesprächen, in denen die beiden sich immer wieder neu aneinander annähern und mich als Zuschauer mitnehmen. Ich bin nicht immer einer Meinung, ich finde Jule und / oder Jan nicht immer sympathisch, aber ich kann sie als Menschen immer besser greifen.

Mala Emde und Anton Spieker habe ich vorher noch nie bewusst spielen sehen, sie machen ihre Rollen mehr als gut und gerade, weil ich sie nicht kenne, gelingt die Geschichte umso besser.

Weingartner spielt das klassische Boy meets Girl-Ding durch, nur dass er den Höhepunkt sehr clever immer wieder hinauszögert. Beim Sex heißt das Edging und was dort klappt, geht auch hier.

Es ist ein Film von Hans Weingartner und endet mit dem passenden Happy End, wobei ich mir gewünscht hätte, dass er diesmal eine halbe Szene früher rausgegangen wäre.

Ansonsten, 145 Minuten gutes Gefühl, Gänsehaut und Lächeln.

303 von Hans Weingartner ist nun erhältlich, unter anderem bei Amazon Prime Video.

Illustrierter Roman: The Electric State von Simon Stålenhag

Der Krieg war von Drohnenpiloten ausgetragen worden – von Männern und Frauen in Kontrollräumen fernab der Schlachtfelder, auf denen die Drohnen sieben Jahre lang in einem Strategiespiel gegeneinander antraten.

Der erste Satz aus The Electric State

Schon vor Jahren gingen die Bilder von Simon Stålenhag durchs Netz und ich dachte damals, geil, die Bilder erzählen schon so viel, daraus müsste man eine Geschichte machen. Dann verstehe ich, Stålenhag malt nicht nur, er musiziert und schreibt auch. Und die Bilder, die ich kenne, gehören tatsächlich zu einer existierenden Geschichte.

The Electric State ist sein dritter illustrierter Roman (ich liebe den Begriff und das Genre), aber der erste, der in Deutschland erscheint.

Ein junges Mädchen und ihr fast lebensgroßer Roboter streifen durch ein alternatives Amerika, in dem viele Sachen aussehen, wie wir es kennen, andere eben gar nicht.

Anfangs weiß ich kaum etwas und muss mir zusammensetzen, was passiert ist, welche Apokalypse in dieser Realität eingesetzt hat. Ich folge dem Mädchen und ihrem Roboter durch ein retrofuturistisches Amerika, nicht nur in Worten, mehr noch in den Bildern.

Das Buch ist ein dicker, wertiger Bildband, den man nicht im Rucksack hat, um ihn in der Bahn zu lesen. Ich muss mir die Zeit zuhause nehmen. Die Bilder dominieren, der Text ist klein, fast zweitrangig. Aber die Magie setzt tatsächlich erst ein, wenn man beides wirken lässt.

Denn The Electric State ist nicht nur eine Geschichte mit passenden Bildern, manches wird nur über die Bilder erzählt. Ich sehe Dinge, die im Text nicht erwähnt werden und gerade durch das Zusammenspiel beider Medien baut sich die Stimmung auf. Wer richtig eintauchen will, macht den von Stålenhag geschriebenen Soundtrack für das Buch an.

Literarisch ist Stålenhag nicht ganz so stark, wie seine Bilder es sind. Und trotzdem schafft er es, diese Geschichte so zu erzählen, dass ich eine Nacht lang darin versinke, immer mehr wissen will und am Ende berührt bin.

The Electric State ist ein wunderschön gemachtes Buch mit einer guten Geschichte, großartigen Bildern und einer fantastischen Welt.

The Electric State von Simon Stålenhag wurde übersetzt von Stefan Pluschkat und erschien bei Fischer Tor.

Hörbuch: Mortal Engines 3 – Der Grüne Sturm von Philip Reeve, gelesen von Robert Frank

Zuerst war da nichts.

Der erste Satz aus „Der grüne Sturm

15 Jahre nach den Ereignissen in Jagd durchs Eis ist es ruhig geworden um Tom und Hester. Sie leben in einer niedergelassenen Stadt und haben eine Tochter, Wren, die sich natürlich im Gegensatz zu ihren Eltern nach dem Abenteuer sehnt. Als dann einer der verlorenen Jungs auftaucht (für mehr Kontext, lest die beiden vorhergehenden Bücher der Serie), geht es los.

Erstmal war ich enttäuscht, zwar in der Welt, aber nicht mehr mit Tom und Hester zu sein. Weil ich mich an die beiden gewöhnt hatte und weil ich eigentlich nicht über die Probleme eines heranwachsenden Menschen hören wollte. Dachte ich.

Aber Robert Frank liest, solange ich nicht auf Pause drücke, und ich bin wieder schnell in der Welt und der Geschichte. Wie im letzten Buch auch verhalten sich einige Figuren (besonders Hester) manchmal, wie ich es nich von ihnen erwarte, es aber die Geschichte nach vorne bringt. Schade, dass das nicht immer im Einklang ist.

Gleichzeitig, auch wie beim letzten Mal, schafft Reeve es auch dieses Mal, seine Welt wieder zu erweitern und zu verfeinern. Das ist ziemlich cool, wie er die Lücken in der Vergangenheit dazu nutzt, immer neue Erzählstränge herauszuarbeiten.

Besonders in diesem Buch wird deutlich, dass die großen Spannungen die zwischen Menschen sind, ganz unabhängig von ihrem Setting. Nur legt Philip Reeve eben noch eine wunderbar faszinierende Welt drauf. Und mit Robert Frank habe ich eine Stimme im Ohr. Ohne zu wissen, um was es im nächsten Band geht, ich freue mich drauf.

Mortal Engines – Der grüne Sturm von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.