Schlagwort: Kritik (Seite 1 von 25)

Comic: Hellboy, Kompendium 1

Ich bin comictechnisch mit Lustigen Taschenbüchern aufgewachsen und kannte Superhelden nur aus Filmen. So auch Hellboy, den ich tatsächlich ganz gut fand. Jetzt also die Comics. Über das Wesen aus der Hölle, das heraufbeschworen wurde und „auf der guten Seite“ kämpft.

Ich kenne aus den Filmen zumindest Teile der Geschichte, was mir den Einstieg leichter macht. Ich muss mich erstmal an den Zeichenstil gewöhnen, aber ich mag den Sarkasmus von Hellboy und die düster-witzigen Geschichten, die sich selbst nicht immer ganz ernst nehmen.

Weil es das K0mpendium ist (erste von vier), kann ich mich knapp 500 Seiten in die Welt vertiefen, in der ich mich immer wohler fühle. Mehr noch, ich mag die Anmerkungen und Entstehungsgeschichten, die Mignola in diesem Band erzählt, samt aller Anspielungen und Mythen, die er verarbeitet. Wie schön, zu lesen, aus welchem Umständen und Zufällen welche Geschichten entstehen. Kaum Autorïnnen machen das, schade eigentlich, weil ich glaube, dass Menschen mehr über das Geschichten erzählen lernen könnten.

Mike Mignola vermischt in Hellboy Popkultur, Mythologie und eine ganze Bandbreite an Emotionen. Klar, oft ist es nur übertriebene Gewalt und actionreiche Unterhaltung. Aber vielleicht brauchen wir manchmal einen Jungen aus der Hölle, um zu verstehen, wie wir uns selbst verhalten und wie wir uns ändern können. Und jetzt freue ich mich auf die restlichen Kompendien

Hellboy, Kompendium 1 von Mike Mignola und John Byrne, Mark Chiarello, Dasve Stewart, Matthew Hollingsworth und James Sinclair, wurde übersetzt von Gunther Nickel und Michael Groenewald und erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Comics: Gung Ho 2 bis 4 von Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant

Es gibt eben Momente, da sollte man rauchen, nicht?

DER ERSTE SATZ AUS GUNG HO 2 – Ohne Rücksicht auf Verluste

Band 1 hatte mich angefixt, also habe ich die derzeit verfügbaren drei anderen Bände an einem Abend durchgelesen.

Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant halten das jugendliche, sorgenfreie, fast schon Verantwortungslose der Gang in diesen Teilen bei, gleichzeitig aber vertiefen sie die ernsten Themen und zeigen, dass jeder Mensch seine oder ihre Art von Narben hat und Gründe für das Verhalten.

Im Schnitt gibt es in jedem Band eine Stelle, die mir zu extrem, zu flapsig oder zu tief unter der Gürtellinie ist, und immer mal wieder ist mir die Geschichte zu nah an dem, was ich in Postapokalypse schon oft gesehen habe, aber immer wieder überrascht mich die Geschichte und ich will wissen, wie es weitergeht. 2021 kommt der letzt Band raus, ich bin sehr gespannt darauf.

Gung Ho Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Buch: Die Geschichte der Bäume von Kevin Hobbs und David West, illustriert von Thibaud Hérem

Diese fundierte Geschichte der Bäume ähnelt Treffen mit alten Freunden: Sie führt uns Freunde vor Augen, die wir kennen, überrascht zugleich mit Informationen und Geschichten, die uns kaum oder gar nicht bekannt sind.

Der erste Satz aus Die Geschichte der Bäume.

Wann besser über dieses Buch schreiben als am Tag des Baumes?

Stell dir vor, ein Freund geht mit dir durch den Wald, bleibt immer mal wieder an Bäumen stehen und erzählt dir Anekdoten: Wie lange Menschen diesen Baum schon kultivieren, wie und wo er wächst und was an ihm kurios ist. Dieses Buch ist so ein Freund.

Mehr als 100 Bäume inklusive Illustrationen von Thibaud Hérem auf rund 200 Seiten in einem schweren Band, der sich sehr schön produziert ist. Andererseits ist es dadurch nicht das Buch, das man einfach in der Tasche mit sich rumträgt, was irgendwie schade ist, denn dann könnte ich damit wirklich durch den Wald und die Bäume suchen, seine eigenen Anmerkungen machen und es erweitern.

Aber auch so: Ich lerne viele neue Dinge über Bäume und wie sie mit dem Menschen verbunden sind und schon beim nächsten Baum bleibe ich stehen und schaue ihn bewusster an, als ich es schon lange getan habe.

Die Geschichte der Bäume ist kein Buch, dass man von vorne nach hinten durchliest. Es ist eine Sammlung kleiner Geschichten. Erst lese ich die meiner liebsten Bäume, dann die der kuriosen Bäume und entdecke danach erst all die anderen.

Ein Museumsführer durch die Umwelt, der Spaß macht und mit viel Liebe gestaltet ist. Aber durch sein Format leider eher ein Coffee Table Book als ein wirklicher Führer, den ich zerfleddert immer im Rucksack liegen habe und immer wieder heraushole. Das könnte ja noch kommen.

Die Geschichte der Bäume von Kevin Hobbs und David West, illustriert von Thibaud Hérem, wurde übersetzt von Bettina Eschenhagen und erschien bei Laurence King. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, gelesen von Robert Frank

Im Morgengrauen hatte Theo den Aufstieg begonnen.

Der erste Satz aus Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt

Das ist also der vierte und letzte Teil der Reihe über Tom und Hester und ein ziemlich direkter Anschluss an den dritten Teil, den ich am schwächsten fand. Aber hier holt Philip Reeve alles wieder auf. In mehrerer Hinsicht.

Storytechnisch will ich gar nichts erzählen, niemand wird mit diesem Band einsteigen. Aber wenn ihr mit dieser Reihe angefangen habt, lohnt es sich wirklich, bis zu diesem Teil zu kommen.

Die Story: In diesem vierten Teil zieht Reeve nicht nur Fäden aus allen drei vorherigen Romanen zusammen und mehrere saubere Bögen zum Anfang, was schon ziemlich sauber gewesen wäre. Reeve schafft es am Ende, sein ganzes Quartett in einen noch größeren Kontext zu setzten. Erinnert ihr euch an das Ende des ersten „Men in Black“? So ähnlich fühlt es sich hier auch an. Im besten Sinne.

Die Sprache: In den anderen Teilen haben mich die Geschichte und das Setting überzeugt, die Sprache war okay. Aber irgendwas muss zwischen den anderen und diesem Teil passiert sein, weil Reeve mich jetzt auch mit der Sprache überzeugen kann. Er baut sehr schöne Strukturen und Bilder und die Sprache allein macht mich lächeln.

Die verlorene Stadt ist ein sehr schöner Abschluss einer spannenden Geschichte in einer fantastischen Welt. Reeve hat noch einige andere Geschichten in seiner Welt erzählt, meines Wissens gibt es die aber noch nicht auf Deutsch. Wäre schön, wenn das noch passiert.

Mortal Engines – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Illustrierter Roman: Tales From The Loop von Simon Stålenhag

Tief unter der Erde lag der Loop.

Der erste Satz aus Tales from the Loop.

Der Loop ist ein riesiges unterirdisches Forschungslabor in Schweden in den 1980ern. Und der Loop verändert das Leben, das sich über ihm abspielt. Tales from the Loop erzählt Anekdoten aus diesem Leben. Dinge, die in dieser Realität geschehen.

Wie auch schon bei The Electric State verbindet Stålenhag wunderschöne Bilder mit Texten und lässt gerade durch die Verschränkungen und Leerstellen Geschichten entstehen. Und auch hier gibt es Extramaterial, diesmal ein Rollenspiel in der Welt des Loops.

Aber leider merkt man auch hier, dass Stålenhag erst die fantastischen Bilder gemalt hat. Die Texte sind nicht schlecht, manchmal sogar fantastisch, aber im Großen und Ganzen kommen sie nicht an die Bilder ran.

Und was leider eine Lüge ist, ist die Bezeichnung „Roman“ auf der deutschen Ausgabe. Stålenhag selbst sagt im Vorwort, dass er einzelne Geschichten (Erinnerungen) erzählt. Das ist vollkommen in Ordnung und an manchen Stellen lässt er dadurch meine Fantasie größer überborden, als The Electric State es konnte. Aber alle, die eine zusammenhängende Geschichte erwarten, werden enttäuscht. Und das „in die Geschichte gezogen werden“ fand ich hier ein wenig schwächer, als beim ersten in Deutschland erschienenen Buch von Stålenhag.

Trotzdem: Tolle Bilder, fantastische Fantasie und Vorlage für die mittlerweile auf Amazon Prime verfügbare Serie. Da bin ich ziemlich gespannt drauf.

Tales from the Loop von Simon Stålenhag wurde übersetzt von Stefan Pluschkat und erschien bei Fischer Tor. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.