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Schlagwort: Lesung (Seite 2 von 5)

Lesung: Cynthia D’Aprix Sweeney am 10.11. im Literaturhaus Stuttgart

Bevor ich die 20 Minuten runter zum Literaturhaus laufe, laufe ich die zehn Minuten runter zu Klett-Cotta, so nah ist der Verlag für mich. Dort fand die Revue statt:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Verlages und der Klett-Gruppe stellten Bücher von Klett-Cotta und Tropen vor. Und zwar vor allen aus der Klett-Gruppe, die sich das gerne ansehen und einigen geladenen Gästen. Star des Abends war Cynthia d’Aprix Sweeney, die über »Das Nest« sprach und daraus las.

Im gut gefüllten Saal gibt es also drei Tipps aus dem neuen Herbstprogramm, nicht vorgestellt von den Verkäufern sondern von Lesern, die eben zufällig auch im Verlag arbeiten. Vorgestellt von Menschen, denen das jeweilige Buch tatsächlich gefällt. Und es ist schön, jemandem zuzuhören, der Begeistert ist, sei es von Geheimnis in Weiß, dem Krimi aus den 1930ern, der jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, oder von Verlangen, einem flämischen Roman über ein Dorf und eine Familie, welche sich plötzlich im ersten Weltkrieg wiederfinden. Und selbst das dritte Buch, Die Blumen der Mode, wird so interessant beschrieben, dass ich es zwar immer noch nicht kaufen würde, aber zumindest darin blättere. Das haben der Titel und das Cover nicht geschafft.

Los geht es aber mit Cynthia D’Aprix Sweeney, Debütantin und Weltbestsellerin, für etwa eine halbe Stunde erzählt sie von ihrem Roman Das Nest, der es in diesem Jahr in mehrere Länder und hunderttausende Hände geschafft hat und nun eben auch auf Deutsch erscheint. Die Agentur Anzinger, Wünscher, Rasp hat einen großartigen Umschlag für die deutsche Ausgabe entworfen, dieser prangt über Sweeney, die mit ihrem trockenem Humor von der Entstehung erzählt und ein wenig daraus vorliest. Dann geht sie und macht Lust auf mehr. Ein Glück werde ich zwei Stunden später auf ihrer Lesung sein.

Zwei Stunden später, im Literaturhaus stehen vielleicht ein Dutzend Tische vor der Eckbühne, auf der Bühne begrüßt Stefanie Stegmann Sweeney, Johann von Bülow, der nicht nur bei den Lesungen dabei ist, sondern auch das Hörbuch gesprochen hat, und Moderatorin Petra Mostbacher-Dix, dann übernimmt Frau Mostbacher-Dix. Sie kann nicht nur fließend zwischen Deutsch und Englisch wechseln, sie kennt und mag den Roman offensichtlich, zusätzlich kennt sie sich auch gut in New York und den dortigen Gesellschaften aus und diese spielen in Das Nest eine große Rolle. So werden wir durch den Abend unterhalten, bekommen Antworten, Informationen, Ausschnitte auf Englisch und auf Deutsch. Sweeney ist witzig und reagiert wunderbar, Johann von Bülow lässt sich in die Szenen fallen und es macht extrem viel Spaß, ihm zuzuhören. Doch bei all ihren Fähigkeiten und guten Fragen schafft Frau Mostbacher-Dix es nicht immer, ein Gemeinschaftsgefühl auf der Bühne aufzubauen. Streckenweise sieht Bülow so aus, als ob er aus Versehen auf die Bühne gestellt wurde, andersherum fühlt sich auch Sweeney bei den deutschen Passagen an, wie fehl am Platz. Ich hätte mir ein stärkeres Miteinbeziehen aller Personen gewünscht. Von Bülow begleitet Sweeney nun schon eine Weile, er kennt das Buch extrem gut, ich hätte es spannend gefunden, wie er auf manche Fragen reagiert. Andersherum würde ich auch gern wissen, was Sweeny über von Bülow zu sagen hat.

Generell hätte ich gern Fragen gestellt, aber nach exakt 90 Minuten sind wir durch und wir Applaudieren, Fragen können keine gestellt werden. Ich weiß nicht, ob so etwas vertraglich irgendwo festgelegt wurde und wer das entschieden hat, aber ich dachte, schade, genau das hätte vor jedem anderem Publikum auch passieren können, wir in Stuttgart haben nichts einzigartiges erlebt.

Stattdessen frage ich Sweeney, während sie mein Buch signiert.

Wir reden über die Verfilmung, die kommen wird, Amazon hat sich die Rechte gesichert, Transparent-Produzentin Jill Soloway ist mit dabei und Sweeney selbst schreibt das Drehbuch. Wir reden darüber, wieviel für diesen Film gestrichen werden muss, wie es ist nochmal mehr Zeit mit seinen Figuren zu verbringen, wie es ist, zum ersten Mal ein Drehbuch zu schreiben.

Danach, im Restaurant, sitze ich Johann von Bülow gegenüber und wir reden über das Sprechen, die Kunst ein Hörbuch einzulesen, über Soziolekte und ich habe das Gefühl, ähnlich wie bei Dietmar Wunder vor zwei Jahren, dass er es zu schätzen weiß, dass es nicht nur um den Autoren und den Roman geht.

Irgendwann löst sich die Gruppe auf, ich bedanke mich bei allen für einen schönen Abend, setzte meine Kopfhörer auf und lasse mir auf dem Heimweg von Johann von Bülow den Roman erzählen.

Bericht: Lesung von Thees Uhlmann am 23.3. im Wizemann in Stuttgart

Bis letzten Sonntag war ich auf der Buchmesse in Leipzig (Bericht folgt) und Markus Naegele, Verlagsleiter von Heyne Core, erzählte im Interview mit Wolfgang Tischer vom Literaturcafé.de Lesungen sollten Rock’n’Roll sein.

Gestern sitze ich in der ersten Reihe bei Lesung von Thees Uhlmann mit seinem ersten Roman Sophia, der Tod und ich und er macht genau das. Klar, Uhlmann ist seit mehr als 20 Jahren mit seiner Band Tomte und solo als Musiker unterwegs und diese Bühnenerfahrung merkt man ihm an. Mit seiner leichten Out-of-Bed-Frisur, dem Weinglas und seinem abgegriffenem Leseexemplar seines Buches kommt er auf die Bühne im Wizemann, in deren Mitte nur ein kleiner schwarzer Tisch und das Mikro stehen.

Mein Gott ist eine Frau mit einem unglaublich kurzem Rock, die an der Bar sitzt und sich betrinkt und sagt, es gibt keinen Gott.

Thees Uhlmann

Er wartet ab, bis das Publikum den ersten Applaus abebben lässt und erzählt angesichts der Ereignisse in Brüssel am gestrigen Tag, dass er eigentlich ein unpolitischer Künstler ist, aber trotzdem etwas über seinen Gott loswerden will. Dann beginnt er mit dem eigentlichen Abend.

Sind wir ehrlich, wir kommen nicht auf eine Lesung, weil wir das Buch vorgelesen bekommen wollen. Dafür könnten wir uns auch das Hörbuch holen. Wir wollen eine Show erleben, Anekdoten hören und eine gemeinsame Erinnerung schaffen. Uhlmann ist Profi drin.
Die Lesepassagen behandelt er wie Songs, er liest das Buch nicht vor, er performt es. Er überspitzt die Figuren und die Stimmen, macht Sachen, die man als Sprecher nie machen würde, aber Thees auf der Bühne lebt das einfach und es macht unglaublich Spaß, ihm zuzusehen.
Zwischen den Lesestücken erzählt er. Kleine Geschichten, die ihm scheinbar spontan einfallen, aber auch, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist und wie die gesamte Lesetour war. Stuttgart ist nämlich Abschluss einer wochenlangen Lesereise und Uhlmann lässt es extra krachen.

Insgesamt performt Uhlmann rund zweieinhalb Stunden mit einer kleinen Pause dazwischen, erzählt, liest, trinkt und hat Spaß. Im Laufe der Zeit wird immer klarer, wie professionell Uhlmann ist. Er weiß, wie er die Geschichten erzählen muss und er baut einen Bogen über den ganzen Abend und natürlich wurde keine Geschichte einfach so erzählt. Am Ende führen alle Fäden zusammen, was die Show umso größer macht. Gleichzeitig ist Uhlmann das beste Beispiel eines 12-jährigen im Körper eines knapp 42-jährigen. Er ist ein Lausbub, er freut sich, wenn wir uns freuen und er reagiert geil auf das Publikum.

Aber in wenigen Momenten überspannt er den Bogen. Nach der Pause kommt er mit der ganzen Weinflasche auf die Bühne und leert sie fast provokativ. Ich habe, wenn überhaupt, ein distanziertes Verhältnis zu Alkohol, aber wenn jemand trinken will, darf er das gerne tun. Problematisch wird es, wenn Menschen sich für ihr Verhalten verteidigen.

Als Uhlmann sich gerade wieder kräftig einschenkt, sieht er ins Publikum und blafft uns an, „bei Bukowski habt ihrs doch auch gefeiert!“ Ähnlich gab es Momente, in denen er seine Ausschweifungen verteidigt. Wir sitzen da und haben alle Spaß, wenn Thees Uhlmann auf der Bühne Spaß hat, aber in dem Moment, in dem er sagt, „vielleicht sabbel ich gerade ein bisschen viel, aber ich mache das heute Abend nur für mich!“, wird uns als Publikum eine Bewertung, eine Abwertung ihm gegenüber aufgedrückt, die wir davor nicht gehabt haben müssen.

Wie ähnlich der Abend einem Konzert ist, wird am Ende nochmal klar, weil sich keiner wundert, warum Thees Uhlmann keine Fragen beantwortet hat, sondern wir traurig waren, dass es keine Zugabe gab.

Thees Uhlmann macht aus einer Lesung eine Ein-Mann-Performance, einen geilen Abend, bei dem er in manchen Momenten leider ein wenig überdreht. Aber vielleicht gehört das auch zu einem geilen Abend.

PS: Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber ich ahne, dass das Hörbuch in diesem Fall die bessere Wahl ist, weil Thees Uhlmann das Werk durch seine Leseperformance um ein wichtige Ebene erweitert. Aber entscheidet selbst.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann erschien bei KiWi, das Hörbuch  erschien bei Grand Hotel van Cleef. Danke an Chimperator Live für die Gästeliste. 

Bericht und Buchverlosung: Karin Slaughter Lesung in Stuttgart

Vor einiger Zeit hatte ich eine Nachricht von Blanvalet im Posteingang, Karin Slaughter kommt nach Stuttgart und die ersten beiden Blogger, die auf die Nachricht antworten, dürfen zu einem Meet & Greet und zur Lesung. Ja, warum nicht? Also antworte ich und bekomme tatsächlich kurz darauf die Bestätigung, unter den ersten beiden gewesen zu sein. Wunderbar! Jetzt sollte ich nur noch etwas von Karin Slaughter gelesen haben.

Und gestern war dann die Lesung, im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte, in der BMW Niederlassung Stuttgart. Ungewöhnlicher Ort für eine Lesung, aber wiederum passend, denn Slaughter selbst, wie auch eine ihre Hauptpersonen fahren BMW. Und man muss sagen, BMW nutzte natürlich die Gelegenheit, um Werbung für ihre Fahrzeuge zu machen, aber dafür gab es auch ein schönes, gläsernes Ambiente, ein kostenloses Catering und eine sehr angenehme Athmosphäre. Wenige Tage vorher gab mir Blanvalet Bescheid, ich dürfte eine Begleitperson mitnehmen. Also fragte ich über die sozialen Netzwerke nach und Aline sagte als Erste zu. Sie ist Slaughter-Leserin seit zehn Jahren und so ein persönliches Treffen war einer ihrer Träume. Eine bessere Begleitung konnte ich wohl nicht finden. Wir waren etwa anderthalb Stunden vor der Lesung in der Filiale und wurden sehr angenehm empfangen, mussten aber sowohl auf die Leute von Blanvalet, als auch auf Karin Slaughter noch ein wenig warten. Die Zeit nutzte Aline, um mich in Sachen Slaughter auf den neuesten Stand zu bringen. Dann irgendwann wurden wir von Frank vom Blanvalet-Verlag begrüßt – ich duzte fast jeden – und unter die Fittiche genommen. Dann irgendwann kam Karin Slaughter. Eine kleine, unscheinbare, unglaublich natürliche Frau. Sie tingelte, ungeachtet irgendwelcher Begrüßungsrituale, direkt zum neuen BMW i3 und betrachtete erstmal die Autos. Dann wurden wir ihr vorgestellt und hatten unser Meet & Greet.

Ich kenne Meet & Greets noch aus meiner Zeit beim Radio. Da kamen Fans, aufgeregt, wie sonst was, durften ihrem Idol kurz die Hand drücken und zwei oder drei Fragen stellen, ein paar Sachen signieren lassen und ein Foto machen und schon waren die nächsten dran. Gestern standen da etwa acht Personen im Kreis und unterhielten sich, gefühlt eine Dreiviertelstunde. Zusammen mit Karin kam die Moderatorin Regula Venske und der Sprecher Dietmar Wunder. Ich blieb direkt bei ihm hängen, Karin war umlagert von den anderen und das Sprechen liegt mir sehr am Herzen. Dieses Gespräch mir Dietmar ist meine Metapher für den ganzen Abend. Er war tatsächlich interessiert an seinem Gegenüber, stellte Fragen die tiefer als Small Talk gingen und erzählte ehrlich, was er so dachte. Ein unglaublich offener Gesprächspartner, ein tolles, angenehmes Gespräch. Und so verlief dann auch der Rest des Abends, die Gespräche mit Karin, Frau Venske, Frank und eben Dietmar. Wir wurden umsorgt, sahen eine tolle Lesung samt guter Moderation und einem großen Sprecher, aßen danach noch ein wenig und gingen in jeder Hinsicht erfüllt nach Hause.

Hiermit also ein großes Danke. An Blanvalet für die Möglichkeit, an Karin, Frau Venske, Frank und Dietmar für jedes angenehme Wort und den Abend. Immer noch muss ich sagen, Bücher von Karin Slaughter werden nicht meine absoluten Lieblingsromane, aber so einen Abend erlebe ich gerne wieder. Und die ausführliche Rezension ihres aktuellen Romanes „Bittere Wunden“ folgt natürlich.

Und nun, wie in der Überschrift versprochen, noch das Gewinnspiel. Ich hatte ja mein schon zur Hälfte gelesenes Exemplar, wurde aber auf der Lesung mit einem weiteren beglückt, dass ich Karin auch mit meinem Namen versehen bekommen habe. Dennoch habe ich mein Originalexemplar signieren lassen und dieses möchte ich an einen von euch weitergeben. Es ist also ein halb gelesenes, signiertes Hardcover von „Bittere Wunden“, dem aktuellsten in Deutschland erschienenem Roman. Teilnehmen kann jeder in Deutschland (Ich muss ja die Versandkosten zahlen. Okay, sagen wir, jeder kann mitmachen, aber außerhalb Deutschlands müssen die Versandkosten vom Gewinner getragen werden.).

Hinterlasst unter diesem Artikel einen Kommentar, was ihr als Kind werden wolltet und was daraus geworden ist.

Teilnahmeschluss ist der 24. September um 23:59:59 Uhr. Danach werde ich aus allen Kommentatoren per Zufall einen auslosen.

Noch Fragen?

Das Gewinnspiel ist vorbei, die Gewinner benachrichtigt. Danke für’s mitmachen!

Buch: 27 von Kim Frank

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

Kim Franks 27 mit ausgeklapptem Buchumschlag.

So, seit heute ist 27 von Kim Frank also erhältlich. Kim ist den meisten wahrscheinlich immer noch als Sänger der Band Echt bekannt. Mittlerweile hat sich aber auch mit der Fotografie, der Schauspielerei und eben auch mit dem Romanschreiben befasst. 27 ist sein Debütroman.

In 27 geht es um den Klub 27, dieser ungewöhnlichen Ansammlung an Musikern, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Und es geht um Mika, der selbst die unbändige Angst hat, mit 27 zu sterben.

Ich liebe Bücher über Musik. Bücher wie Owen Noone oder Super Agoraphobie Therapie. Und 27 gehört da auf jeden Fall dazu. Man liest sich schnell und gut durch die Seiten und man hat wirklich Spaß beim lesen. Es ist ein kurzweiliger Roman, eine schöne Geschichte und eine gute Unterhaltung für ein paar gute Stunden.

Aber: Peter Renz sagte mir mal, dass das Ende einer Geschichte immer Licht oder Schatten über die gesamte Geschichte wirft. In Fall von 27 ist das definitiv Schatten.

SPOILER:

Vielleicht liegt das auch in der Natur solcher Geschichten, die nur auf eine eine Frage ausgearbeitet sind, nämlich, ob Mika mit 27 stirbt. Denn wie man es auch wendet, das Ende kann eigentlich fast nur unbefriedigend sein. Es sei denn, mann hat den großen Twist am Ende. Leider vermisse ich den am Ende von Franks ersten Roman. Es fühlt sich so an, als wüsste Frank selbst nicht, wie er das Buch hatte beenden sollen. Und deshalb ist es ein offenes Ende.

Deshalb27 ist ein gutes Buch, welches man im Garten im Sonnenschein bequem runterlesen kann, das Ende aber fand ich extrem unbefriedigend.

Wer mehr über das Buch und die Arbeit von Kim Frank erfahren möchte, hier geht’s zum Interview mit Kim Frank über 27.

Nachtrag:

Kim schrieb mir, nachdem er die Rezension gelesen hatte und möchte etwas klarstellen:

Moin Fabian…
Finde es absolut fein, dass Dir das Ende nicht gefällt, wollte Dich nur wissen lassen, dass ich die letzte Seite zu allererst geschrieben hatte, also das Ende, das gewollt offene Ende stand von Anfang an fest.
Wenn Du es nicht magst ist das fein, aber ich tue nichts weil ich nicht weiß, sondern weil ich mich dafür entscheide.
LG
KIM

Interview: Kim Frank, Autor des Buches „27“

Kim Frank (Bild: Privat)

Kim Frank (Bild: Privat)

Kurz vor und nach dem Millenium gab’s in Deutschland eine extrem bekannte Band namens Echt. Da waren ganz coole Songs, die sie gespielt haben, bis sie sich 2002 aufgelöst haben. Frontsänger Kim aber blieb künstlerisch extrem aktiv. Er fotografiert gerne, spielte die Hauptrolle in NVA, synchronisiert Animationsfilme, veröffentlichte ein Soloalbum ( Hellblau ) und bringt dieses Jahr seinen Debütroman 27 auf den Markt. Die Rezension für den Roman folgt am 2. Mai, hier erstmal mein Interview mit Kim über seinen Roman und das Künstlertum generell. Es ist ein sonniger Tag, als ich die Fragen tippe und es bleiben durchgehend sonnige Tage, bis ich die antworten per Mail zurückbekomme:

Hallo Kim,
zuallererst nehme ich mir Freiheit und erlaube mir die Frechheit, dich zu duzen. Und direkt danach erstmal ein großes Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Also, los:

Kim, du machst Musik, du schauspielerst, du arbeitest als Regisseur und Fotograf und sprichst ab und an bei Hörspielen mit. Und jetzt bringst du auch noch deinen Debütroman auf den Markt. Wie kommt’s? Bist du mit den anderen Tätigkeiten nicht ausgelastet genug?

Doch, im Grunde habe ich genug zu tun. Freunde von mir fragen manchmal, wann ich das überhaupt mache. Aber ich lebe und liebe meine Arbeit.
Obwohl ich Unterschiedliches mache, tue ich es immer voll und ganz und mein Grundsatz ist: Du schaffst nur so viel, wie Du schaffst.
Banal, aber wirksam um das Leben und die Freundin nicht zu vernachlässigen.

Wenn dich jemand fragt, was du machst, was antwortest du dann? Bist du dann einfach nur Künstler oder hast du eine “Lieblingskunst”, die du ausführst?

Künstler ist schon mein Lieblingsbegriff, aber einige Menschen reagieren darauf negativ, wenn ich mich so nenne, da sie irgendwie der Meinung sind, das dürften nur andere von einem behaupten, dass man Künstler ist.
Ich bin Kim.
Ich erzähle Geschichten.
Ob in Liedern, Bildern, Worten, es sind und bleiben Geschichten.

Und welchen “Job” gibt es denn, den du noch gern mal machen würdest?

hahaha…
Spontan fällt mir keiner ein.
Mein Job ist mein Traumjob, also immer der, den ich aktuell mache.

Widmen wir uns deinem Buch. In 27 geht es um den Klub 27, dieser ungewöhnlichen Ansammlung an Musikern, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Und es geht um Mika, der selbst die unbändige Angst hat, mit 27 zu sterben. Da du selbst die 27 Jahre überschritten hast, frage ich mich, was ist deine persönliche Angst?

Ich habe durchaus auch unter Todesangst gelitten, auch Panikattacken gehören zu meinem Gefühlsportfolio. Aber in meinem Leben wurden meine Ängste nie so lebensbeeinflussend, dass ich lebensunfähig wurde.
Meine größte Angst ist zu versagen , nicht geliebt zu werden und sie ist gleichzeitig mein größter Motor.

Als ich dein Buch gelesen habe, diese Beschreibung über Musik, gute Songs und das Bandleben, da bekam ich immer Lust, meinen Plattenspieler anzuwerfen. Als du das Buch geschrieben hast, hast du dann nicht Lust bekommen, wieder Musik zu machen?

Nein aber ich habe auch sehr viel Musik beim schreiben gehört.
Viel Doors und Jimy Hendrix, Bob Dylan und Chet baker.

Die Exzesse, die du im du im Buch beschreibst. Eigene Erfahrung oder irgendwo auch das Bedienen von Klischees?

Der Roman ist Fiktion und in diesem Fall dramatisierte Realität mit einer ordentlichen Portion Phantasie, wenn ich so ausweichend antworten darf.

Inwiefern unterscheidet sich das Songs schreiben vom Buch schreiben? Und falls man das sagen kann, was ist einfacher?

Ein Song hat eine klare Struktur. Natürlich kann man sich eine aussuchen, aber die ist dann sehr klar. Ein Popsong hat fast immer einen Refrain oder eine Hook, auf die der Rest des Textes zuläuft. So etwas gibt es im Roman zwar auch. Diese Zeilen, die plötzlich alles auf den Punkt zu bringen scheinen, was die letzten Kapitel aufgebaut haben. Dennoch darf ein Roman eine komplett eigenständige Struktur haben und daher ist es umso schwerer, sich nicht zu verlieren und natürlich ist es ein weitaus langwieriger Prozess einen Roman, als einen Song zu schreiben. Von schwer oder einfach kann aber dennoch nicht die Rede sein.

Das Buch kommt im Mai in den Handel und du wirst dann auch auf Lesetour gehen. Leider immer zu weit weg, als das ich mal vorbeikommen könnte.

Sind deine Lesungen denn dem Buch gemäß Rock’n’Roll oder eher Wasserglaslesungen?

Am 02.05., also am Tag der Veröffentlichung, mache ich mit Freunden eine Lesung, die denke ich, sehr Rock ’n Roll wird. Es wird Kühlschränke geben, aus denen man sich einfach bedienen kann, Eva Briegel, Axel Bosse und viele mehr werden Songs von Mitgliedern des Klub 27 spielen und ich werde mit z.B. Detlev Buck und Niels Ruf lesen. Das Ganze wird gefilmt und dann auf 27s eignem Tape.tv Kanal anzusehen sein.

Ich freue mich sehr darauf.
Bei den Feels Like Home Lesungen Mitte Mai wird auch Musik gemacht werden. Wie eine eigene Lesereise, sollte es eine geben, aussehen wird, kann ich noch nicht sagen, aber hoffentlich werden sie dem Buch gerecht.

Und was ist das nächste Projekt? Ein weiteres Buch? Oder ein Film? Oder Musik?

Leider kann und will ich über meine Nächsten Projekte noch nicht schreiben, aber ich freue mich sehr auf die nächsten zwei Jahre und alles was da kommt, vor allem freue ich mich aber darauf, 27 endlich raus zu bringen.

Ich bin auf die nächsten Sachen von dir sehr gespannt, sage nochmals Danke für die Zeit und wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit 27!

PS: Achja, zwei Fragen noch:

Auf dem Cover von “27” ist eine Frau drauf und das ist nicht Janis Joplin. Wer ist das?

Kristen Pfaff, Bassistin von HOLE, eigentlich wäre Janis Joplin korrekt, aber irgendwie sah es so einfach cooler aus.

In welcher Sprache singt “Fears” denn? Oder anders gefragt, in welcher Sprache schreibt Mika?

Ich weiss es selber nicht, aber ich würde sagen englisch.
Vielleicht kommen sie aus Brighton.
Aber ich habe das absichtlich, auch für mich selbst nie fest gelegt

Beste Grüße
KIM

Vielen Dank von meiner Seite aus an Kim für das Interview und an Rowohlt für das Buch und die Möglichkeit des Interviews! Wie Kim schon gesagt hat, am 02.05. steigt das Kick Off in Berlin mit tollen Gästen, die sonstigen Termine sind:

11. Mai, Köln, Underground

13. Mai, Berlin, Hotel Michelberger

14. Mai, Lüneburg, Salon Hansen

15. Mai, Hamburg, Knust

Auf der Homepage des Romans gibt es sowohl einen Trailer für das Hörbuch (auch gesprochen Kim), als auch eine Leseprobe von 27. Enjoy!