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Comic: Hellboy, Kompendium 1

Ich bin comictechnisch mit Lustigen Taschenbüchern aufgewachsen und kannte Superhelden nur aus Filmen. So auch Hellboy, den ich tatsächlich ganz gut fand. Jetzt also die Comics. Über das Wesen aus der Hölle, das heraufbeschworen wurde und „auf der guten Seite“ kämpft.

Ich kenne aus den Filmen zumindest Teile der Geschichte, was mir den Einstieg leichter macht. Ich muss mich erstmal an den Zeichenstil gewöhnen, aber ich mag den Sarkasmus von Hellboy und die düster-witzigen Geschichten, die sich selbst nicht immer ganz ernst nehmen.

Weil es das K0mpendium ist (erste von vier), kann ich mich knapp 500 Seiten in die Welt vertiefen, in der ich mich immer wohler fühle. Mehr noch, ich mag die Anmerkungen und Entstehungsgeschichten, die Mignola in diesem Band erzählt, samt aller Anspielungen und Mythen, die er verarbeitet. Wie schön, zu lesen, aus welchem Umständen und Zufällen welche Geschichten entstehen. Kaum Autorïnnen machen das, schade eigentlich, weil ich glaube, dass Menschen mehr über das Geschichten erzählen lernen könnten.

Mike Mignola vermischt in Hellboy Popkultur, Mythologie und eine ganze Bandbreite an Emotionen. Klar, oft ist es nur übertriebene Gewalt und actionreiche Unterhaltung. Aber vielleicht brauchen wir manchmal einen Jungen aus der Hölle, um zu verstehen, wie wir uns selbst verhalten und wie wir uns ändern können. Und jetzt freue ich mich auf die restlichen Kompendien

Hellboy, Kompendium 1 von Mike Mignola und John Byrne, Mark Chiarello, Dasve Stewart, Matthew Hollingsworth und James Sinclair, wurde übersetzt von Gunther Nickel und Michael Groenewald und erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, gelesen von Robert Frank

Im Morgengrauen hatte Theo den Aufstieg begonnen.

Der erste Satz aus Mortal Engines 4 – Die verlorene Stadt

Das ist also der vierte und letzte Teil der Reihe über Tom und Hester und ein ziemlich direkter Anschluss an den dritten Teil, den ich am schwächsten fand. Aber hier holt Philip Reeve alles wieder auf. In mehrerer Hinsicht.

Storytechnisch will ich gar nichts erzählen, niemand wird mit diesem Band einsteigen. Aber wenn ihr mit dieser Reihe angefangen habt, lohnt es sich wirklich, bis zu diesem Teil zu kommen.

Die Story: In diesem vierten Teil zieht Reeve nicht nur Fäden aus allen drei vorherigen Romanen zusammen und mehrere saubere Bögen zum Anfang, was schon ziemlich sauber gewesen wäre. Reeve schafft es am Ende, sein ganzes Quartett in einen noch größeren Kontext zu setzten. Erinnert ihr euch an das Ende des ersten „Men in Black“? So ähnlich fühlt es sich hier auch an. Im besten Sinne.

Die Sprache: In den anderen Teilen haben mich die Geschichte und das Setting überzeugt, die Sprache war okay. Aber irgendwas muss zwischen den anderen und diesem Teil passiert sein, weil Reeve mich jetzt auch mit der Sprache überzeugen kann. Er baut sehr schöne Strukturen und Bilder und die Sprache allein macht mich lächeln.

Die verlorene Stadt ist ein sehr schöner Abschluss einer spannenden Geschichte in einer fantastischen Welt. Reeve hat noch einige andere Geschichten in seiner Welt erzählt, meines Wissens gibt es die aber noch nicht auf Deutsch. Wäre schön, wenn das noch passiert.

Mortal Engines – Die verlorene Stadt von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Illustrierter Roman: Tales From The Loop von Simon Stålenhag

Tief unter der Erde lag der Loop.

Der erste Satz aus Tales from the Loop.

Der Loop ist ein riesiges unterirdisches Forschungslabor in Schweden in den 1980ern. Und der Loop verändert das Leben, das sich über ihm abspielt. Tales from the Loop erzählt Anekdoten aus diesem Leben. Dinge, die in dieser Realität geschehen.

Wie auch schon bei The Electric State verbindet Stålenhag wunderschöne Bilder mit Texten und lässt gerade durch die Verschränkungen und Leerstellen Geschichten entstehen. Und auch hier gibt es Extramaterial, diesmal ein Rollenspiel in der Welt des Loops.

Aber leider merkt man auch hier, dass Stålenhag erst die fantastischen Bilder gemalt hat. Die Texte sind nicht schlecht, manchmal sogar fantastisch, aber im Großen und Ganzen kommen sie nicht an die Bilder ran.

Und was leider eine Lüge ist, ist die Bezeichnung „Roman“ auf der deutschen Ausgabe. Stålenhag selbst sagt im Vorwort, dass er einzelne Geschichten (Erinnerungen) erzählt. Das ist vollkommen in Ordnung und an manchen Stellen lässt er dadurch meine Fantasie größer überborden, als The Electric State es konnte. Aber alle, die eine zusammenhängende Geschichte erwarten, werden enttäuscht. Und das „in die Geschichte gezogen werden“ fand ich hier ein wenig schwächer, als beim ersten in Deutschland erschienenen Buch von Stålenhag.

Trotzdem: Tolle Bilder, fantastische Fantasie und Vorlage für die mittlerweile auf Amazon Prime verfügbare Serie. Da bin ich ziemlich gespannt drauf.

Tales from the Loop von Simon Stålenhag wurde übersetzt von Stefan Pluschkat und erschien bei Fischer Tor. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Vater Unser von Angela Lehner

Man hat mir die Hände auf dem Rücken verbunden.

Der erste Satz aus Vater Unser

Eva wird in einem Polizeiwagen in die Psychiatrie gebracht und von Anfang an ist klar, dass ich Eva nicht alles glauben kann. Sie erzählt ihre Version einer Wahrheit, schnoddrig kommentiert und inkonsequent, sodass ich mit ihr auf die Reise gehen und um jedes Stück Wahrheit ringen muss.

Anfangs bin ich von dieser Erzählweise, diesem Spiel ziemlich begeistert und folge Angela Lehner durch ihren Roman, versuche Wahrheit von Wahn zu unterscheiden und mich immer tiefer in ihrer Familiengeschichte zu verstricken. Aber leider ging das Buch für mich nicht darüber hinaus. Irgendwann konnte mich die Sprache allein nicht halten und die Geschichte dahinter (wie ich sie gesehen habe) hat mich nicht genügend gepackt.

Als dann am Ende die Wahrheit einigermaßen klar auslag, hatte ich sie schon so lange geahnt, dass sie mich nicht mehr berührt hat, wie es die Sprache am Anfang gemacht hat.

Angela Lehner hat mit ihrem Debüt eindrücklich gezeigt, wie schön sie erzählen und mit Worten umgehen kann. Beim nächsten Buch freue ich mich auf eine ebenso starke Geschichte.

Vater Unser von Angela Lehner erschien bei Hanser. Der Verlag hat mir im Rahmen meiner Juryarbeit für Das Debüt 2019 ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Graphic Novel: My Father Never Cut His Hair von Peter Phobia

This is the story of my father Rudy.

Der erste Satz aus My Father never cut his hair

Titel und Cover haben direkt etwas bei mir ausgelöst. Ich wollte mehr über diese Geschichte und diese Welt erfahren.

Offiziell ist das Buch eine Graphic Novel, aber die passendere Bezeichnung ist Bilderbuch für Erwachsene. Als ob Peter Phobia mit mir am Tisch sitzen würde und von seinem Vater erzählt. Oder zumindest von dem, was er über seinen Vater weiß. Den Inhalt eines Schuhkartons, den er uns mit diesem Buch präsentiert.

Peter hat ein Faible für violett und rosa, das sich auch in diesem Buch zeigt. Die Bilder, als auch die Sprache sind – vielleicht, weil wir von vornherein um die Tragik der Geschichte wissen – melancholisch nüchtern und weil es eine wahre Geschichte ist, berührt sie mich. Gerade seine Bilder und seine Sprache machen diese Geschichte, die leider wohl viel zu oft geschieht, individuell und schön.

Das Buch selbst ist wunderschön gemacht, die Schrift auf dem Cover erhaben, das Papier ein wenig fester, wertig. Es macht Spaß, darin zu blättern und die Geschichte zu erfahren. Nur bei Bildern und Texten über eine Doppelseite kommt das Buch an seine Grenzen, hier sind Druck und Bindung leider nicht so sauber, wie der Rest.

Ein kleines Manko einer sonst sehr schönen Erfahrung: Für eine kurze Weile in die Welt von Peter Phobia eintauchen und sich von ihm berühren lassen.

My father never cut his hair von Peter Phobia erschien bei Luftschacht. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.