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Roman: QualityLand 2.0 von Marc-Uwe Kling

Pling. Hallo, liebe Bewusstseinsformen! Ich bin’s wieder. Ihre allseits beliebte E-Poetin Kaliope 7.3. Ich möchte Sie ein weiteres Mal nach QualityLand entführen. Nicht im Sinne einer Straftat natürlich, also nicht, wie es Peter Arbeitsloser in einem der folgenen Kapitel widerfahren wird. (Bitte beachten Sie, wie gekonnt hier schon im Vorwort Spannung aufgebaut wird!)

der erste Absatz aus Qualityland 2.0

Ich habe QualityLand ziemlich gemocht und verschlungen und glücklicherweise so spät gelesen, dass Teil 2 schon verfügbar war. Also gleich weiter. Wieder in die Welt von QualityLand und Peter und Kiki und all den wirren Sachen aus Teil 1. Aber dann.

Im ersten Teil erzählt Kling die Geschichte gut und und witzig und sehr solide, sehr nah an seinem Erfolgsrezept der Känguruh-Bücher. Hier aber tritt Kling aus seiner Komfortzone und neben all dem witzigen und skurrilen und satirischen Sachen kommt in diesem Teil emotionale Verletzlichkeit dazu. Das erwarte ich bei Kling nicht und im besten Sinne erwischt er mich damit.

Kling ist in diesen emotionalen Momenten nicht so stark und selbstsicher wie in den satirischen und witzigen Passagen, aber er kriegt sie trotzdem ganz gut hin. So gut, dass ich das sogar als das stärkere Buch einschätze. Wobei man den ersten Teil schon gelesen haben sollte. Jetzt mal sehen, womit Kling als nächstes kommt.

QualityLand 2.0 von Marc-Uwe Kling erschien bei Ullstein.

Roman: QualityLand von Marc-Uwe Kling

Geneigte Leserinnen und Leser, edle mit hoher Wahrscheinlichkeit existente außerirdische Lebensformen, geschätzte künstliche Intelligenzen und ehrenwerte Suchalgorithmen, ich wünschte Ihnen viel Vergnügen mit diesem Roman.

der erste Satz aus Qualityland

Die Känguruh-Chroniken gehört und gemocht, aber lange nicht dazu gekommen, QualityLand zu lesen. Auch, weil da erstmal viele davon begeistert waren, was mich ein wenig abgeschreckt hat. Aber dann.

QualityLand ist genau das, was ich mir von Marc-Uwe Kling erwarte. Känguruh-Humor meets Science Fiction, die sehr nah an unserer Welt liegt. Mit Social Scores, mit KI und Robotern für alle Lebenslagen. Und den Menschen, die in dieser Welt durch die Maschen rutschen.

Ein Roman voller skurriler Ideen, die sehr gut dorthin passen, voller Anspielungen und satirischer Spitzen, verpackt in dem Humor, den die Känguruh-Chroniken so groß gemacht haben. Und obwohl ich es selbst gelesen habe, hatte ich immer Klings Stimme im Kopf.

Ich mag das Buch und die Welt, mag die Figuren die Kling schafft und die Art, wie er erzählt. So sehr, dass ich gleich danach Buch 2 in die Hand nehme.

QualityLand von Marc-Uwe Kling erschien bei Ullstein.

Roman: Der Astronaut von Andy Weir

Was ist zwei plus zwei?

Der Erste Satz aus Der Astronaut

Ein Astronaut wacht ohne seine Erinnerungen als einziger Überlebender in einem Raumschiff auf, das auf der Mission zu sein scheint, die Menschheit zu retten.

Ich mochte Der Marsianer damals sehr, Artemis dagegen fühlte sich zu lektoriert und gewollt an. Deshalb war ich jetzt zwiegespalten. Dazu kam, dass sowohl Cover als auch Inhaltsangabe sich anfühlen wie Der Marsianer im neuen Gewand. Und ich wusste nicht, ob ich die quasi gleiche Geschichte nochmal lesen wollte.

Ich muss mich anfangs durch den etwas langen Teil der ersten Orientierung kämpfen (Überwindung des Unglaubens), dann war ich vollkommen drin. Der Astronaut hat all die coolen Sachen aus dem Marsianer – die lockere selbstironische Sprache, die nerdige Liebe für die Wissenschaften – aber zusätzlich noch ein paar Ebenen mehr. Selbst für die Erinnerungslücken gibt’s eine okaye Erklärung, mit der ich mich abfinden kann.

Andy Weir hat mit seinem dritten Buch wieder eine coole, warme, nerdige Geschichte geschrieben, wie der Marsianer, aber doch neu und mehr. Wenn das so weitergeht, freue ich mich auf noch vieles mehr.

Der Astronaut von Andy Weir erschien bei Heyne und wurde übersetzt von Jürgen Langowski. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Buch: Du hast mir den Kopf fairtrade von Rolf Rugenwälder

Liebe Leseperson (m/w/d), schön, dass du da bist!

Der erste Satz aus Du hast mir den Kopf Fairtrade.

Junger Mann trifft auf das tollste Mädchen und will sie für sich gewinnen, also wird er öko. Oder versucht es zumindest.

Rolf (beziehungsweise das Autorenduo hinter dem Pseudonym) schreibt also Tagebuch und erzählt, von all seinen Versuchen und seinem Scheitern, am Leben, an dem Mädchen und an einem nachhaltigen Leben.

Das Buch ist dünn und die Schrift ist relativ groß, eine recht kurze Unterhaltung, die mich immer wieder hat grinsen lassen und manchmal sogar laut auflachen. Ich muss immer wieder an Berts Katastrophen denken, die ich als Kind sehr gern gelesen habe. Viel Slapstick und Übertreibung, die Spaß machen.

Aber vom ersten Satz an habe ich mich immer wieder gefragt, für wen das Buch eigentlich gedacht ist. Die Leseprobe auf der Rückseite des Buches macht sich über Upcycling lustig, der Text drunter versucht aber, dieses Buch als Hilfestellung für Menschen anzupreisen, die öko ja gut finden, aber irgendwie überfordert sind. Dieses Gefühl hat sich für mich durch das ganze Buch gezogen: Es ist durchweg quatschig und machst sich über alles lustig, will aber gleichzeitig alles ernst nehmen. Das hat für mich nicht funktioniert. Trotz des Spaßes und des Lachens blieb es bis zum Ende nur okay. Und ich wüsste auch nicht, wem ich das Buch nun geben sollte. Meine Öko-Freund*innen fühlen sich im besten Fall in ihrer Ansicht bestätigt und können vielleicht ein bisschen über sich selbst lachen, aber irgendwas Neues werden sie nicht mitnehmen. Meine anderen Freund*innen würden es wahrscheinlich gar nicht erst anfangen, weil es zu sehr nach öko schreit.

Eine quatschige grüne Slapstickgeschichte also, die immer wieder lustig ist, aber leider nicht mehr.

Du hast mir den Kopf fairtrade von Rolf Rugenwälder erschien bei riva. „Rolf“ hat mir ein Exemplar zukommen lassen. Transparenz: Ich kenne beide Menschen hinter diesem Pseudonym. Im besten Fall bin ich dadurch ehrlicher und unbarmherziger.

Entstehungsgeschichte von „Billy Summers“ von Stephen King

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern von Stephen King gibt es in Billy Summers nur eine kurze Danksagung statt eines Nachwortes inklusive der Entstehungsgeschichte. Aber in einem Interview mit dem Esquire erzählt King, wie es zum Roman gekommen ist. Übersetzung ist von mir, immer her mit Verbesserungsvorschlägen:

Bücher kommen stückweise zu mir. Ich sammle nur die einzelnen Teile in meinem Kopf und irgendwann verbinden sie sich miteinander. Bei Billy Summers war das erste Stück dieses Bild: Ich habe einen Mann in einem Kellerapartment gesehen, wie er aus dem Fenster schaut, als wäre es ein Periskop, und er sieht die Füße der Menschen, die auf dem Bürgersteig vorbeigehen. Damit habe ich eine Weile rumgespielt. Was macht der Typ da? Warum ist er da? Was hat das alles zu bedeuten? Nach einer Weile damit rumspielen habe ich plötzlich den gleichen Typen in einem Büro gesehen, vielleicht im vierten oder fünften Stock, in der Nähe eines Gerichtsgebäudes. Was macht er da? Naja, er wird jemanden erschießen. Er wird einen schlechten Menschen erschießen.

Diese beiden Dinge haben sich miteinander verbunden. Ich dachte mir, „Er wird diesen schlechten Menschen erschießen und dann wird er sich in diesem Kellerapartment verstecken, wo all die Füße dran vorbeilaufen.“ Aus diesen beiden Dingen hat sich dann die ganze Geschichte entwickelt. Das läuft bei mir nicht immer so, aber diesmal hat es funktioniert und es ist ein Buch daraus geworden. Ergibt das irgendwie Sinn?

Ab hier wurde es richtig spaßig: Ich denke an den Typen im Bürogebäude und er wird von dort aus schießen. Ich sehe den Winkel des Schusses ganz klar vor mir. Und dachte ich, „Naja, wie kommt er danach da raus?“ Bevor ich mit dem Buch angefangen habe, hing ich an der Stelle – aber ich hatte immer noch Spaß, darüber nachzudenken. Stück für Stück setzte sich eine Idee zusammen, wie er entkommen könnte. Und dann dachte ich, „Du brauchst auch noch irgendeine Geschichte um diese beide Szenen herum. Was wäre, wenn der Typ einen richtig schlechten Menschen erledigen soll, aber dabei reingelegt wird?“ Dann dachte ich über diesen berühmten letzten Job nach. Es gibt so viele Bücher und Filme über diesen letzten Auftrag, der immer schief geht. Und ich dachte mir, „Warum mich nicht voll darauf einlassen und die Geschichte als Hardboiled Noir Story schreiben? Als ich jünger war, hab‘ ich solche Sachen sehr gern gelesen – Bücher von Jim Thompson und Elmore Leonard. Also hab‘ ich losgelegt.

Stepehen King im Esquire