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Roman: Auftrag für Moving Kings von Joshua Cohen

An ihren Fahrzeugen sollt ihr sie erkennen: die blauen Laster, die Sie auf dem Weg zum Flughafen immer schneiden, an der Seite eine schmuddelige weiße Krone, auf den verbeulten Stoßstangen der Aufkleber PROBLEM MIT MEINEM FAHRSTIL? RUFNUMMER 1-800-212-KING!

Der erste Satz aus Auftrag für Moving Kings

David King ist Umzugsunternehmer in New York und allein sein Geschäft, seine Familie und seine Vergangenheit sind Geschichte genug. Dann holt er auch noch seinen Neffen nach dessen Militärdienst in Israel nach Amerika.

Ich mochte Joshua Cohens Buch der Zahlen sehr und habe mich auf ein neues von ihm gefreut. Aber Auftrag für Moving Kings verliert sich für mich in zu vielen Storylines, die nicht durchgezogen werden. Während das beim Buch der Zahlen Teil des Konzeptes war und immer noch in sich gegriffen hat, kann ich mich bei Moving Kings auf keine Geschichte richtig einlassen. Was ich ziemlich schade finde, weil allein die Geschichte dieses Umzugsunternehmens – das mich immer wieder an den Pizza-Lieferdienst aus Miami Punk erinnert hat – hätte ich gern gelesen. Oder die des vom Militär traumatisierten Israeli, der irgendwie in Amerika klarkommen muss. Aber in dieser Melange an Geschichten konnte ich immer nur ahnen und in keine so richtig eintauchen.

Ich mag, wie Joshua Cohen schreibt und ich mag sein Denken und seine Geschichten. Ich freue mich auf mehr von ihm, leider ist dieses Buch für mich eines seiner schwächeren.

Auftrag für Moving Kings von Joshua Cohen wurde übersetzt von Ingo Herzke und erschien bei Schöffling. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Buch der Zahlen von Joshua Cohen

Verpisst euch doch einfach, wenn ihr dies am Bildschirm lest!

Der erste Satz aus Buch der Zahlen

Joshua Cohen ist ein jüdischer und erfolgloser Schriftsteller, der sich irgendwie durchs Leben schlägt, bis er den geheimen Auftrag erhält, als Ghostwriter die Memoiren von Joshua Cohen zu schreiben, Internetmilliardär, Medienmogul und fiktionale Vereinigung von Steve Jobs und den Google Gründern Larry Page und Sergey Brin (glaube ich).

Darum geht’s in diesem Buch. Nun heißt der Typ, der das geschrieben hat, auch Joshua Cohen. Und das ist nicht das sonderlichste an diesem Werk. Das Buch setzt sich zusammen aus Blogbeiträgen, erzählter Prosa, Abschriften von Telefongesprächen, eine irre Mischung aus Sprachgewirr, inhaltlichen Verknüpfungen und Referenzen in unsere Welt, immer wieder so explizit, dass ich die Grenze zwischen Fakt und Fiktion nicht immer finden konnte. 

Das Buch ist kein Spaziergang, es ist eine Bergbesteigung. Es ist nicht leicht, reinzukommen und ich muss immer wieder Energie aufwenden, um die ersten 100 Seiten dranzubleiben, mich durch Absätze ohne Punkt und Komma, ohne Großschreibung und Grammatik kämpfen – Kudos an Robin Detje, den Übersetzer, dieses Ding in eine andere Sprache zu bringen, ist eine viel zu wenig beachtete Leistung – um letzten Endes die restlichen 650 Seiten in zwei Tagen durchzulesen.

Der Klappentext nennt das Buch „Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting für Anfänger, Silicon-Valley-Historie, internationaler Thriller, Sexkomödie“ und bis auf die Sexkomödie finde ich all das in diesem Roman wieder. Es ist ein Spiel mit der Sprache, mit der Geschichte und unserer Zeit, es verlangt viel, aber wenn du drin bist und durchkommst, ist es unglaublich geil. Wie übrigens auch das Cover, gestaltet von Suzanne Dean, ursprünglich für die britische Ausgabe.

Es ist mein erstes Buch von Joshua Cohen. Ein Glück gibt es mehr.

Buch der Zahlen von Joshua Cohen wurde übersetzt von Robin Detje und erschien bei Schöffling & Co. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.