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Schlagwort: Schriftsteller

Interview: Husch Josten, Autorin von „Fragen Sie nach Fritz“

Husch Josten ist Journalistin und Schriftstellerin aus Köln. Nach den Romanen „In Sachen Joseph“ und „Das Glück von Frau Pfeiffer“ – beide gern gelesen – ist jetzt die Kurzgeschichtensammlung „Fragen Sie nach Fritz“ erschienen, die Rezension folgt bald.

Im Laufe der Zeit haben sich ein paar Fragen angesammelt, die ich Frau Josten gern stellen wollte. Also, Mail geschrieben, positive Antwort bekommen. Hier also sind meine Fragen über ihre Geschichten und das Schreiben generell, samt der Antworten von Husch Josten. Es war ein Interview per Mail, deshalb konnte ich leider nicht so auf die Antworten reagieren, wie ich gern hätte.

Fabian: Frau Josten, erstmal vielen Dank für diese Möglichkeit des Interviews. Vor zwei Jahren habe ich Ihren Debütroman „In Sachen Joseph“ gelesen und seitdem auch den zweiten Roman „Das Glück von Frau Pfeiffer“ und die aktuell erschienene Kurzgeschichtensammlung „Fragen Sie nach Fritz“. Warum ist gerade „Fragen Sie nach Fritz“ die titelgebende Geschichte? Hat sie eine besondere Stellung?

Husch Josten: Auch in diesem Klischee steckt ja eine kleine Wahrheit: Die Figuren wachsen einem beim Schreiben mehr und weniger ans Herz – bei Fritz war es mehr, daher steht er am Anfang und gab der Geschichtensammlung den Titel.

In welchem Zeitraum haben Sie die Kurzgeschichten geschrieben? Oder: Warum plötzlich Kurzgeschichten?

Ich schreibe immer wieder Kurzgeschichten, bin auch eine leidenschaftliche Kurzgeschichtenleserin: John Cheever, Alice Munro, Saul Bellow, Hemingway, Thomas Mann…

Was ist leichter, Kurzgeschichten oder Romane?

Das ist natürlich eine höchst individuelle Angelegenheit… Ich finde: Romane.

Und was macht mehr Spaß?

Mal macht es glücklich, zu schreiben; gleich darauf ist es grauenhaft. Mal geht es leicht von der Hand, dann wieder quält man sich – bei Romanen wie Kurzgeschichten absolut gleich.

In einem Interview zu „In Sachen Joseph“ erzählen Sie, dass Ihre Figuren nur winzige Details von Ihnen selbst haben, also kaum autobiografische Züge tragen. In einem anderen Interview zu „Das Glück von Frau Pfeiffer“ erzählen Sie, dass Sie selbst eben das getan haben, was die Hauptfigur tut, das Mitschreiben fremder Handytelefonate. Wie ist das bei den Kurzgeschichten? Wieviel Autobiografie steckt in Ihnen?

So viel wie in jeder anderen Geschichte auch: Aus vielem wird das Ganze, immer handelt es sich um Bruch- und Versatzstücke; das eigene Beobachten, Erleben wird verändert, verzerrt, verdreht… Oft ist der Auslöser für eine Geschichte nur ein Detail, ein winziger Augenblick.

Ich mag das Coverdesign, die wiederkehrenden und wiedererkennbaren Elemente Ihrer Bücher. Haben Sie da Einfluss darauf?

Grundsätzlich ist die Linie die meines Verlags „Berlin University Press“; entworfen von einer fabelhaften Agentur in Hamburg. In diese Linie muss jedes Cover passen. Wenn es um die Bildauswahl fürs Cover geht, gibt es Vorschläge der Agentur, meines Verlegers und von mir und aus all denen wählen wir gemeinsam die beste Idee. Die, die uns allen gefällt.

Und sind die Titel die, welche Sie wollten?

Absolut. Was nicht heißt, dass wir – also Verleger, Lektor und ich – nicht auch mal ringen und diskutieren.

Sie haben den Großteil Ihres Lebens in Berufen verbracht, die mit Worten und mit dem Schreiben zu tun haben. Ist der Beruf der Schriftstellerin das Ziel dieses Weges?

Ich habe mit fünf Jahren meine erste Schreibmaschine bekommen – eine kleine, blaue Kinderschreibmaschine aus Plastik, weil ich meinen Eltern offenbar glaubhaft erklärt hatte, dass ich Schriftstellerin werden möchte. Allerdings hätte ich mich nie getraut, mit 18 oder 19 Jahren ein Manuskript hinzulegen – ich hatte das Gefühl, erst eine Grundlage schaffen, auf verschiedenen Ebenen schreiben zu müssen. Das klingt jetzt strategisch, tatsächlich geschah es intuitiv. Ich wollte schreiben, also habe ich mich in Berufen ausprobiert, in denen ich schreiben konnte. Ich habe auch leidenschaftlich gern als Journalistin gearbeitet.

Und woher kommt dieser Wunsch, Geschichten zu erzählen?

Ich kann es Ihnen beim besten Willen nicht sagen.

In vielen Ihrer Geschichten, auch in den Romanen, geht es oft um Wahrheiten und Lügen, die uns umgeben. Dieses Streben nach Wahrheit, ist das ein Nebeneffekt des Journalistendaseins?

Mit der Wahrheit ist es ja eine höchst schwierige Angelegenheit. Ob man sie tatsächlich finden kann… Ein Journalist hat mal über „Das Glück von Frau Pfeiffer“ geschrieben, es gehe um Erkenntnisdrang. Damit könnte ich mich eher anfreunden: Kein Streben nach Wahrheit, sondern der Versuch, die verschiedenen Wahrheiten zu verstehen.

Die beiden Romane sind in London entstanden. Färbt der Standort auf die Romane ab?

Ein wenig schon, ja.

Und wo sind die Geschichten aus dem aktuellen Band entstanden? Gibt es dort Abfärbungen?

In meiner Heimatstadt Köln, auf Reisen, in London… Wie gesagt: Ich schreibe immer wieder Kurzgeschichten, wo ich gerade bin. Und so gibt es Abfärbungen der Atmosphäre, der Luft, meiner gesamten Umgebung.

In einer Pressemitteilung zu „In Sachen Joseph“ sagen Sie: „Ich denke in ersten Sätzen.“ Wenn ich es richtig verstehe, mag ich den Satz sehr. Wieviele erste Sätze sind denn derzeit in Ihrem Kopf? Oder: an wievielen Geschichtenprojekten arbeiten Sie derzeit?

Im Moment konzentriere ich mich auf einen ersten Satz; ich arbeite an einem neuen Roman.

Fühlt sich das Schreiben für Sie wie Arbeiten an?

Ja – ein tägliches, stundenlanges, diszipliniertes, einsames, manchmal nervendes, manchmal reibungsloses Arbeiten. Herrlich!

Frau Josten, vielen Dank für Ihre Zeit, ich freue mich auf den nächsten Roman und wünsche Ihnen alles Gute!

Meine neue Schreib-Maschine. Ein Google Chromebook.

Die Überlegung dazu war diese: Ich wollte die Möglichkeit, im Zug zu schreiben. Oder irgendwo anders. Besser gesagt, überall anders. Ich habe ein 5 Jahre altes 13″ MacBook, eines der ersten mit dem immer noch aktuellen Alu-Unibody-Design. Das Ding hat mehr RAM und eine SSD bekommen und erfüllt immer noch und zufriedenstellend seinen Zweck. Ich mag das Gerät sehr und habe nicht vor, es denächst zu ersetzen. Aber der Akku macht mittlerweile eben nur noch sehr kurz mit. Ein neuer Akku ist sehr teuer. Und das Gerät ist relativ schwer. Also mal sehen, was eine Alternative wäre. Das 11″ MacBook Air ist des Preises wegen keine. Für eine Zweitmaschine, die nur dem Schreiben dienen soll, möchte ich nicht so viel Geld ausgeben. Und dann habe ich mir vor zwei Wochen eher zufällig dieses 11″ Chromebook von Samsung ersteigert. 2 Monate alt, sieht aus wie neu. Und da ich auch auf dem Großen Chrome verwende und durch meine Androidzeit noch meinen Googleaccount habe, ging die grundsätzliche Einrichtung sehr schnell. Aber um das Gerät zu meiner optimalen Schreibmaschine zu machen, dafür braucht es noch Zeit. Da bin ich noch am experimentieren. Und natürlich gibt es da noch die Sache mit dem Datenschutz. Das muss ich für dieses Gerät noch ausfuchsen. Wir werden also in nächster Zeit sehen, ob ich (mit Hilfe vieler Gleichgesinnter) aus dem Chromebook die perfekte Schreib- und Arbeitsmaschine für Schriftsteller machen kann. Ich halte auf dem Laufenden.

PS: Dieser Blogartikel wurde auf dem Chromebook geschrieben. Funktioniert.