Schlagwort: Texte (Seite 4 von 13)

Text: Tabula Rasa

Gleißende Sonne prallt auf den schwarzen Asphalt. Die Luft flimmert und ist erfüllt von vielen Stimmen verschiedener Menschen.
Über den Asphalt rollt ein Wagen, ein Porsche; Cabrio. Gelb; Lamborghinigelb. Das Verdeck ist offen. Musik dringt aus den Ritzen der Boxen. Ein Typ sitzt drin. Die Mädchen unter uns würden sagen, er ist interessant. Gel in den Haaren, Sonnenbrille auf der Nase, ein Lächeln im Gesicht. Weiterlesen

Text: Warum Fische Treppen hassen.

Ein Haus.
Im Wald vor einer Wiese.
Ich sitze im Fenster, im dritten Stock. Es ist frisch, die Wiese ist feucht. Ich höre die Autos auf der Straße als Rauschen. Ein paar Männer sind auf der Wiese. Sie spielen Fußball. Auf meinem Schoß liegt ein Buch. Ich höre die Männer von unten rufen und schreien. Sie beachten mich schon lange nicht mehr. Ich bin unter vielen Leuten und doch bin ich alleine. Ich genieße die Ruhe. Ich versuche zu lesen. Ich kann es nicht. Meine Gedanken sind nicht bei der Sache. Sind zu schnell, um erfasst zu werden. Ich schalte ab; schaue über die Wiese zum Wald. Erinnerungen – meine Freunde, meine Familie, meine Kindheit. Ich höre jemanden die Treppe hochkommen. Mein Zimmerkamerad kommt herein. „Komm! Es geht wieder los!“ Ich seufze, klappe mein Buch zusammen und werfe es auf das Stockbett. Ich springe von der Fensterbank auf den Boden. Von unten höre ich das Stampfen der Stiefel, die Waffen werden von den Wänden genommen. Das Geschrei der Männer wird lauter. Der erste Lastwagen fährt auf die Wiese, er ist etwas dunkler als das Grün der Wiese. Mein Kamerad hat Recht. Es geht wieder los…

Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn ich auf der anderen Seite der Fensterbank herunter gesprungen wäre.

Text: So hätte die Geschichte sein können.

Es war kalt an dem Morgen, an dem die Geschichte angefangen hätte.Den Kopf zwischen den Schultern und die Hände tief in den Hosentaschen ging ich durch bewohnte Straßen neben dem noch eingeklappten Bordstein. Und dann stand da dieser Postbus. Ein gelber Kastenwagen. Laufender Motor. Tür offen. Niemand zu sehen. Ohne lang zu überlegen stieg ich ein. So hätte die Geschichte angefangen. Und es wäre eine tolle Geschichte geworden. Eine Geschichte die man gerne ein zweites Mal hört. Eine Geschichte, die zur Legende wird.
Ich hätte die Tür zugezogen und wäre losgefahren. Im Spiegel hätte ich den DHL Mann hinterher rennen sehen. Und dieser Klau wäre nur der Auftakt zu einer langen, nervenaufreibenden, spannenden und hörenswerten Reise gewesen. Ich hätte mich eingereiht zu den Großen. Zu Bonny und Clyde. Und Thelma und Louise. Und Mickey und Mallory und den Gecko Brüdern und den McManus Brüdern. Ich wäre ein Clyde mit vielen Bonnies geworden. Ein Don Juan der Straße.Und der Bus wäre mein Zeichen gewesen. Ich hätte Rückenwind gehabt und die Sonne hätte mir ins Gesicht geschienen. Die Medien würden mich pushen, die Meute würde mich lieben und das Gesetz würde mich jagen. Ich würde ein Leben in aller Freiheit führen, ein Vorbild für eine ganze Generation, wie Cobain, Tyler Durden und Lennon. Vielleicht würde ich am Ende sterben. Dann würden sie den Bus bei ebay verkaufen und das Geld den Reichen geben, denen ich geschadet hatte. So eine Geschichte hätte es werden können.
Doch der DHL Mann öffnete die Tür und liess mich aussteigen. Dann fuhr er davon. Und alles, was von meiner Geschichte übrig blieb, waren Reifenspuren auf dem nassen Asphalt.