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Roman: Lux von Olivia Kuderewski

Wenn man in den Westen fährt, hat man die Sonne jeden Morgen im Rücken.

Der erste Satz aus Lux

Mir strahlt ein schwarzweißes, wunderschönes Cover entgegen, unten baumelt das Lesebändchen heraus und weil ich das Buch gerade schon einmal in meinen Händen gedreht habe, weiß ich von dem gelben Farbschnitt. Ich schlage es auf, das Papier fühlt sich rau und wertig an und ab dem ersten Satz zieht Olivia mich in ihren Roman.

Die Geschichte von Lux und ihrem Versuch, durch diese lang geplante Reise wieder zu Sinnen zu kommen. Die Vergangenheit bröckelt durch Halbsätze in die Geschichte und ich ahne, wie groß die Erwartungen und der Respekt vor dieser Reise sind, diesem Trip durch die USA, die Lux nur aus Träumen und hochauflösenden Bildern kennt und schon im ersten Kapitel ist das alles schon nicht mehr so gut, wie Lux es sich erhofft hat. Als Kat dann dazukommt, ist das wie ein Hoffnungsschimmer und ein großer Schritt Richtung Abgrund zugleich.

Ich liebe Olivias Schreibe, ihren Sound und ihre Beschreibungen. Was ich überhaupt nicht mag, ist die zerstörerische Kraft, die Lux und besonders Kat inne haben. Manchmal habe ich fast gegen meinen Willen weitergelesen, weil ich zwar wissen will, wie es weitergeht, gleichzeitig aber nichts mit dieser Welt zu tun haben will. Dieses Dilemma zieht sich bis kurz vor Ende des Buches, bis ich irgendwann Mitleid für die beiden empfinde, immer noch gemischt mit Widerwillen. Und dann ist es rum. Schade, weil großartige Sprache und Schreibe. Aber froh, weil ich diese beiden allein lassen kann.

Lux ist ein krasser Ritt mit tollen Bildern und sehr feiner Sprache, aber durch eine Welt, die nicht meine ist.

Lux von Olivia Kuderewski erschien bei Voland & Quist, der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Transparenz: Olivia und ich sind befreundet, was mich im besten Fall ehrlicher und unbarmherziger macht.

Roman: Fake von Frank Rudkoffsky

Eine Katze!

Der erste Satz aus Fake

Sophia und Jan haben jeweils ihre Träume, jeweils die Dinge, die sie noch erreichen wollen und sie haben Max, ein gemeinsames Kind, das alles ändert. Und dann findet jede und jeder für sich heraus, wie toll es ist, dass man im Internet anonym sein kann.

Sophia und Jan sind abwechselnd Protagonistin und Protagonist und ich weiß nicht, ob oder wann ich je eine so schmerzhafte und sich real anfühlende Beschreibung einer jungen Mutter gelesen habe. Der Körper nach der Tortur der Geburt und den Bedürfnissen eines Babys, die Angst vor dem Leben, dass jetzt (erstmal?) nichtmehr zu leben ist. Krass.

Und dann ihre Entscheidung, über das Internet Wut und Frust abzulassen. Nicht meine Entscheidung und auch keine, die ich gut finde, aber ich kann sie nachahnen.

Jan hat andere Gründe und ähnlich nachvollziebare Handlungen. Frank Rudkoffsky spielt das Paar so gegeneinander aus, dass ich bei beiden Seiten mitfühlen kann, sie am liebsten anschreien möchte, bitte miteinander zu reden. Und sehr gespannt bin, wie die unausweichliche Tragödie ihren Lauf nimmt.

Tatsächlich lässt Frank es gar nicht zum großen Knall kommen, sondern schafft eine Wende zu einem schalen Happy End, das mich zuerst frustriert, dann noch lange über das Ende grübeln lässt. Weil es weniger Geschichte als Realität abbildet. Es erinnert mich an das Ende von „Die Reifeprüfung“.

Rudkoffsky schreibt nüchtern, greifbar und so, dass ich berührt werde. Schafft es, dass ich mir über manche Dinge und Verhaltensweisen nochmal Gedanken machen muss, weil ich durch ihn an die Grenzen meiner bisherigen Vorurteile komme. Ich bin gespannt, welchem Thema sich Frank in seinem nächsten Buch annehmen wird.

Fake von Frank Rudkoffsky erschien bei Voland & Quist. Der Autor hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.