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Text: Die Radioliste

Es war der Spaziergang auf der Autobahn, der mir meine erste Nacht im Gefängnis einbrachte. Aber es war auch genau dieser Spaziergang, der mich auf der Radioliste auf Platz 1 brachte. Bene, Sandra und ich, Kasimir, wir hatten unsere geheime Radioliste. Angefangen hatte es auf Hawai’i. Wir hatten uns ein altes Auto gemietet und waren auf dem Weg zum Gipfel des Mauna Kea, dem höchsten Berg der Insel. Bene fuhr, wir alle hatten was geraucht und ganz langsam tuckerten wir die 70 Kilometer den Berg hinauf. Im Radio sagten sie immer wieder, dass es auf genau der Strecke Stau gab. Anscheindend wurde der immer länger, aber wir sahen nichts davon. Irgendwann tippte Sandra mir auf die Schulter.
„Schau mal“
, sagte sie und zeigte nach hinten. Ich drehte mich um und sah eine Schlange von Autos, die uns hinterferfuhren. Mit großen Augen sahen wir uns an.
„Wir sind der Stau“
, kicherte sie los.
Seitdem hatten wir unsere Liste, wie oft wir ins Radio kamen. Mein Spaziergang hatte mir zwar eine Zeitlang den ersten Platz beschert, aber auch den Ansporn der anderen geweckt. Die Meldung über den freizügigen Mann hörte ich in dem Moment, als ich die SMS von Bene las:
„Ich bin der Exhibitionist!“
Sandra überholte uns dann wieder, als sie bei vollem Fahrtwind ins Telefon schrie:
„Ich bin der Geisterfahrer!“
Bene übertrumpfte uns beide, er schaffte es auch ins Fernsehen, als er nackt über das Fußballfeld rannte.
Jetzt werde ich sie aber beide toppen. Ich kann die Radiomeldung schon hören.
„Die S-Bahn kann wegen eines Personenschadens nicht weiterfahren.“
Ich bin der Personenschaden.

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