Straßenpoesie: Lavendel

Immer, wenn ich dich besuchen komme, kommst du mir verwahrloster vor. Die Blüten hängen trocken herunter. Laub bedeckt den Weg zu dir und die Schrift auf dem Schild verrodet immer mehr. Ich habe vorher Lavendel gekauft und muss an dich denken. Müssen ist in diesem Kontext das richtige Wort, denn der Geruch von Lavendel schwemmt meine Erinnerung an dich an meine Oberfläche.
Als Kind rannten wir um dich herum und versteckten uns unter deinem Kleid vor den Blicken alter Kinder. Dort, in der beruhigenden Dunkelheit, wuchs auch immer ein wenig Lavendel. Ein Wunder, sagten sie, dass Lavendel in der Dunkelheit gedeiht. Der Geruch durchdrang manche Tage meine Kleider und als ich älter wurde und aus dem einsamen Verstecken ein zweisames Einander wurde, wusste mein Bruder nicht nur wegen der zerstörten Frisur ob des Schäferstündchens, sondern auch wegen des Geruchs.
Heute wächst hier kein Lavendel mehr. Und dein Blattwerk ist so ausgedünnt, dass sich kein Verstecken mehr ermöglicht. Doch stehe ich hier, erinnere ich mich an deine Geborgenheit, welche mir sonst niemand geben konnte.

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