Der erste Satz aus Der Ewige:

Ich wecke sie, wenn ich Geige spiele.

Was zum Teufel? Was soll das denn bitte? Vor einiger Zeit sehe ich in diesem Internet dieses Cover und denke, ja, das könnte cool sein. Dann lese ich den Klappentext und denke, yeai, das wird eine unterhaltsame, seichte Lektüre:

In New York begibt sich ein junger Ukrainer in die Psychoanalyse, er will endlich seine Biografie aufarbeiten. Am Anfang des letzten Jahrhunderts starb er auf einem Schlachtfeld in Europa – nur um kurz darauf als Vampir wiederaufzuerstehen. Ein Zustand, mit dem er sich nie anfreunden konnte, der ihm zuwider war, der ihn von seiner großen Liebe entfernte und der neben dem ungemütlichen Blutsaugen auch noch andere Unannehmlichkeiten mit sich brachte. Der so höfliche, wohlerzogene Mann verliebt sich nun hundert Jahre später in seine Therapeutin. Beiden ist nicht bewusst, wie verwoben ihre Geschichten sind und in welcher Gefahr sie schweben.

Aber dann schlägt man das Buch auf und alles kommt anders. Achtung, Spoiler.

Erst die Geschichte. Die erste Hälfte des Romans ist die Geschichte von Jonas, wie er ein Vampir wird und in Europa versucht, sich um die Liebe seines Lebens zu kümmern. Problem ist aber, diese Liebe hat ihn eigentlich nie geliebt. Und dann kommt dazu, er „entfernt“ sich von seiner Liebe, weil sie von einem anderen Vampir getötet wird. Achja, und weil sein Bruder sie heiratet. Was passiert hier eigentlich? Und nach rund 200 Seiten bricht alles ab, wir springen knapp 100 Jahre und ein paar tausend Kilometer in die Vereinigten Staaten zu der Psychoanalytikerin, deren Fähigkeiten darin zu bestehen scheinen, ziemlich große Brüste zu haben. Natürlich treffen sich die Beiden auch, aber alles, was man mitbekommt, sind drei Tage, in denen so viel krudes Zeug passiert, das nichts mit dem Klappentext zu tun hat. Ich habe schon viel komische und unpassende Klappentexte gelesen. Aber das hier toppt alles um Längen!

Und dann die Sprache. Auch hier: Was soll das denn bitte? Da versucht der Autor (vielleicht auch der Übersetzer), einen relativ literarischen Stil beizubehalten und der Geschichte, die überhaupt nicht literarisch ist, vielleicht doch ein wenig einen seriösen Anstrich zu geben. Und dann tauchen alle paar Seiten plötzlich so Worte wie „schlabberte“ und „Möse“ drin auf, dass so fehl am Platz wirkt, dass ich über jedes dieser Worte gestolpert bin. Genauso wie die Geschichte hat auch die Sprache nicht funktioniert.

Ich kann es wirklich nicht fassen. Ich will gar nicht über Joann Sfar schreiben. Ich kenne seine Filme und seine Comics nicht. Und nach diesem Buch habe ich keine Eile, sie kennenzulernen. Vielleicht gibt es für diese Art von Roman eine Zielgruppe, die ihn feiern. Aber sie werden ihn nie lesen, denn niemand vermutet dieses Buch hinter dem Umschlag und dem Klappentext. Und diejenigen, die gerne geliefert haben wollen, was der Umschlag und Klappentext versprechen, die werden enttäuscht. Nene, lest lieber was anderes. Aber lasst die Finger hiervon.

Der Ewige von Joann Sfar wurde übersetzt von Thomas Brovot und erschien bei Eichborn.

 

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