Filmkritik: Silence von Martin Scorsese

Ein neuer Film von Martin Scorsese, mit Liam Neeson, Adam Driver und Andrew Garfield? Will ich sehen, auch wenn es nicht mein Thema ist.

Silence erzählt die Geschichte zweier Jesuiten im 17. Jahrhundert, die nach Japan gehen, um einen verschollenen Pater aufzuspüren. Eine beschwerliche Reise durch ein Land, in dem Christen verfolgt und getötet werden.

Ich bin vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten, ich habe nicht nur in religiösen Belangen ein großes Problem mit Extremen, ich möchte Dinge in Balance halten. Aber wie gesagt, ich wollte den Film trotzdem sehen. Nun:

Der Film ist eine Tortur. Die zwei Stunden und 40 Minuten fühlen sich fast doppelt so lange an. Das Martyrium der Jesuiten erlebe ich als Zuschauer mit, mit grandiosen Bildern und einem sehr guten Sounddesign, der meiner Beobachtung nach ohne Soundtrack auskommt. Wirklich, die Kamera, die Bilder, die Komposition, extrem gut gelungen. Die Geschichte aber bringt mich an meine Grenzen.

Die ausführliche Darstellung der Folter von Christen durch Buddhisten (auf Ansage eines Inquisitors, welch Ironie) erinnert an Mel Gibsons „Passion Christi“ und die Sturheit und Arroganz beider Religionen wird so eindrücklich dargestellt (und natürlich erweitert durch das eigene Wissen der Gewalt und Folter, die die Christen bei Andersgläubigen eingesetzt haben), dass ich den Film nur als Apokalypse Now des Glaubens ernst nehmen kann, als einen Antireligionsfilm, der zeigt, wozu fanatisch religiöse Menschen fähig sein können.

Leider meint Scorsese das nicht so. Er widmet den Film am Ende den Christen und Jesuiten. Er meint das ernst. Ich kann es nicht fassen.

Noch ein Kommentar zur deutschen Synchronisation: Sie ist unauffällig und damit sehr gelungen, bis auf einen Off-Sprecher gegen Ende des Films. Ein niederländischer Seefahrer beschreibt, wie er auf die Jesuiten trifft und ihren Leidensweg erfährt. Während alles andere sehr gut synchronisiert ist, was bei dem japanischen Akzent und den lateinischen Messen, die gehalten werden, wirklich nicht leicht ist, fällt dieser Sprecher durch seine Unterdurchschnittlichkeit auf. Ich will niemanden angreifen oder zu nahe treten, aber ich hatte das Gefühl, für diese vielleicht zehn Sätze hat das Studio den Praktikanten in die Kabine gestellt. Mit leichtem Dialekt, verwirrender Betonung und ohne Haltung wird der Text heruntergelesen. Was angesichts der gesamten Produktionsqualität so extrem auffällt, dass es mich vollkommen aus dem Film gerissen hat. Ich war an dem Punkt sowieso schon der Bilder, der länge und des Leids überdrüssig, aber dies war der Höhepunkt.

Silence ist kein schlechter Film. Er ist bildgewaltig und episch, aber er ist auch eine Tortur mit einer Moral, die man sich nicht antun muss. Besonders, wenn man der christlichen Religion eh schon kritisch gegenüber steht.

Silence läuft seit dem 2. März in den deutschen Kinos. Ich habe vom Verleih zwei Freikarten zur Rezension erhalten.

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