5 Erinnerungen an den Kindergarten

Hallo neues Leben.

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  1. Die Grunderinnerung ist das Gefühl, nicht dorthin zu wollen. Das Gefühl, sich mit beiden Armen am Türrahmen festzuhalten. Eine braun lackierte Tür mit einem breiten gelben Balken als Klinke, auf der Innenseite in ausreichender Höhe ein Taster, damit Eltern alleine herauskommen. Ich weiß nicht mehr, warum und es war nicht immer so, aber dieses Gefühl hat sich eingebrannt.
  2. Es gab regelmäßig Äpfel, das Grundobst meiner Kindheit. Eines Tages sammelten wir die Kerne in einem Glas samt feuchtem Papier und konnten tatsächlich sehen, wie sie keimten. Wie sie Tag für Tag größer wurden. Keine Ahnung, was letztendlich daraus geworden ist, ob sie das Glas jemals verlassen haben. Aber sie strahlten eine Faszination aus, die ich bis heute inne habe.
  3. Jemand hatte Geburtstag und wir saßen an einem langen Tisch in Kindergröße. Es gab Kerzen und irgendwas leckeres, was nicht üblich war im Kindergarten, wir hatten Spaß und ich muss irgendwas getan, irgendeine Fertigkeit gezeigt haben, die einigermaßen besonders war. Ich habe vergessen, was. Aber sie war so interessant, dass jemand auf der anderen Seite des Tisches fragte, wie das genau funktioniert. Ich griff über den Tisch mit diesem stolzen Grundgefühl, etwas zu können. Jemandem etwas zeigen zu dürfen. Aber bevor ich es ausführen konnte, bevor ich jemandem helfen durfte, schrie eine Kindergärtnerin – damals hießen sie noch so – meinen Namen, so laut, dass ich zusammenzuckte, zurückzuckte. Mein Ärmel war einer Kerze nah gekommen. Es ist nichts passiert, aber mit diesem Schrei waren der Moment und auch jedes Gefühl von Stolz gegangen.
  4. Bei einem Sommerfest gab es verschiedene Stationen, mit denen man seine verschiedenen Sinne testen konnte, unter anderem eine Blindverkostung, bei der man erriet, was einem in den Mund gelegt wurde. Nach ein paar Dingen wie Banane, Apfel und Paprika legte mir jemand ein geschmackloses, glibberiges Ding in den Mund, von so zäher Konsistenz, dass ich augenblicklich eine Gänsehaut bekam und das Ding so schnell wie möglich schluckte. Es war ein Pilz. Es ist jeder Pilz, den ich seitdem gegessen habe.
  5. Ich war so neidisch auf den Kleiderschrank meiner Schwester, auf die Auswahl, die mir verwehrt blieb, dass ich mir von ihr einen Rock lieh und mit ihm in den Kindergarten ging, stolz und ohne mich um jemanden zu kümmern, meiner Mutter voran. Die damalige Leitung sah mich, nahm meine Mutter beiseite und sagte ihr, ‚Aber wenn ihr Sohn irgendwann mal anders wird, dann wissen Sie, wer Schuld ist.‘

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Ein Gedanke zu „5 Erinnerungen an den Kindergarten“

  1. Ich beneide dich gerade ein bisschen, denn an meine eigene Kindergartenzeit habe ich genau null Erinnerung. Grund- und sogar Mittelschule fast genauso, außer ein, zwei Schlaglichtern nichts mehr präsent … Um das Pilztrauma beneide ich dich aber nicht – selbst gesammelte Steinpilze kochen und essen, das ist schon kaum zu toppen 🙂

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