Heiraten im Freundeskreis

So fängt es an. Die ersten beiden Schulfreunde im gleichen Alter heiraten.

Es ist ein wunderschöner Samstag. „It’s like rain on your wedding day“ geht mir durch den Kopf, aber dort bleibt es auch. Die Sonne lässt das Brautpaar den ganzen Tag nicht im Stich.

Es ist erstmal ein großes Wiedersehen, Schulfreunde, welche man mehr oder weniger oft trifft, stehen alle auf einem Fleck. Alle Anfang 20, alle im Anzug oder entsprechend anders elegantem Auftritt. Ungewohnt, die Leute die man 9 Jahre im täglichen Schulalltag in den normalen Kleidern kennen –  und lieben gelernt hat, jetzt im schicken Auftreten anzutreffen! Klar, hat man sie schon so gesehen, auf dem Abi-Abschlussball. Aber in die Erinnerung hat sich ein anderes Bild eingebrannt.

Und dann natürlich das Brautpaar! In einem alten Mercedes, für den sich viele der Männer mehr interessieren als für die Insassen, kommen wie angefahren. Wir Freunde, Bekannte und Verwandten, die schon vor der Kirchentür Spalier stehen raunen und tuscheln, oh wie schön die Braut doch ist! Wow!, denkt man. Wunderschön!, sagt man. Die Kameras blitzen und laufen, jeder Schritt des jungen Paares wird aus mehreren Winkeln dokumentiert. Wenn es gut läuft, ist es ja das einzige Mal, dass die Beiden heiraten.

Es geht in die Kirche. Nach einem heiteren und relativ unkonventiollem Gottesdienst (kein „Ja, ich will“, kein „Und jetzt dürfen sie die Braut küssen“) geht es wieder raus in die Sonne. Selbst alte Lehrer sind gekommen, es ist schön, nach vier Jahren mit den Menschen zu reden, die einen über 9 Jahre hinweg geprägt haben. Es ist schön, in diesen Gesichtern die Freude zu sehen, wenn sie hören, wie man aus seinem Leben etwas gemacht hat und wohin es uns verschlagen hat.

Nach Sekt, Orange und kleinen Happen gehts im hupenden Konvoi zum Gemeindehaus in dem die Feier weitergeht. Undwas es für eine Feier ist! Programm bis tief in die Nacht. Es gibt alles. 4-Gänge Essen, eine Diashow, Spiele, Gesangseinlagen, Zigeuner, eine traditionell russische Brautschuhversteigerung, der Eröffnungswalzer, die Brautvaterrede, Kirschwasser, die Schleierabnahme, Wodka, Band, Rock’Roll, Gedichte von Kindern und einen genialen Mitternachtssnack. Und vieles mehr. Guten Wein zum Beispiel. Und all die Sachen, die man nicht in Worte fassen kann.

Dazu gehören zum Beispiel die eigenen Gedanken: „Jetzt geht’s los. Die Beiden sind die ersten.“ Der Blick geht durch die Runde. Wer wird der nächste sein? Vielleicht ich selbst? Nein, das glaube ich nicht. Aber wie oft sind schon genau jene Dinge genauso eingetreten, wie man sie nicht geglaubt hat? Sagen wir mal, es bleibt auf jeden Fall spannend. Das Leben. Und schön!

spread the smile – faby

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