Mein erstes Auto

Ich sehe den Bus einfach mal nicht als Auto. War er ja auch nicht. Dann ist also dieser kleine Wagen mein erstes Auto. Die Geschichte dazu geht so:

Meinen polnischen Wurzeln geschuldet habe ich einen großen Teil meiner Kindheit in Polen verbracht. Und wie es bei uns den Käfer und in England den Mini gab, fuhr dort der in Lizenz gebaute Fiat 126 (aka Maluch aka Bambino aka Personal 4) als echter Wagen des Volkes durch die Gegend. Von 1972 bis 2000 wurde dieser dort gebaut und in die Welt exportiert. Er gilt als der direkte Nachfolger des alten Fiat 500 und teilt sich mit ihm auch einen großen Teil der Bauteile.

Sein älterer Bruder ist schon längst weltweit Kult, der Fiat 126 dagegen weitgehend in Vergessenheit geraten. Selbst auf den polnischen Straßen ist er kaum noch zu finden und langsam wird auch er zum Sammlerobjekt. Ein jedes Mal, wenn ich in Polen war und dieses Auto dort gesehen habe, wollte ich eines haben. Meine Mutter schüttelte den Kopf, sicherheitstechnisch ist der Wagen nichts anderes als ein Roller mit Dach. Mein Vater schüttelte den Kopf, er hatte seinerzeit einen Fiat 500 und hat mehr Zeit unter dem Auto, als in ihm verbracht. Jahrelang also trauerte ich nach dem Urlaub, bis ich den Wagen vergaß und er mir erst ein Jahr später wieder einfiel. Und dieses Jahr dachte ich, okay, gehen wir gegen all die Widerstände und kaufen diesmal so einen Wagen. Also, wir im Sinne von ich.

In Polen also nehme ich mir das dortige Internet und die Kleinanzeigen vor, lasse von Google und meinen Verwandten übersetzen und fahre schließlich mit meinem Onkel (Mechatroniker und der polnischen Sprache mächtig) und einem Freund (Bastler) diesen kleinen Wagen begutachten. Er steht da, in seinem kastanienrotem Gewand und das Nummernschild enthält sogar eine 42. Wir lassen den Wagen laufen, klettern in die Grube, sehen den Wagen von unten an und im Endeffekt kaufe ich ihn. Einen Tag später lasse ich noch das Öl wechseln, dann geht es quer durch Tschechien nach Deutschland.

Bis nach Prag fahre ich, dann wechsle ich mit meinem Vater die Plätze, der Rest der Familie ist im Wohnmobil hinter uns. Der Weg durch Prag ist verwinkelt und verwirrend, wenn man nicht die kilometerlange Umgehungsstraße nutzen will. Wir kommen ganz gut durch und sind rund 300 Kilometer gefahren und überschreiten die Grenze nach Deutschland, als es FUMP macht und aus dem Motorraum hinten ein komisches schleifendes Geräusch gibt. Also Warnblinker rein und rechts ran, das Wohnmobil hinter uns. Ein Blick in den Motor zeigt, dass die Keilriemenscheibe an der Lichtmaschine nicht mehr sauber aufsitzt. So ist kein Weiterfahren möglich. Also den ADAC anrufen, dafür ist mein Vater jahrelanges Mitglied und hat die Leistungen noch nie in Anspruch nehmen brauchen. Und da er glücklicherweise in diesem Moment gefahren ist, können wir diese nun in Anspruch nehmen. Wäre ich gefahren, hätte ich in diesem Moment meine Mitgliedschaft abgeschlossen. So dachte ich. Dieser Teil mit dem ADAC wurde noch zum Desaster, aber das gibt es gesondert in einem eigenen Beitrag, der bald folgt.

Irgendwann kommt der Abschleppwagen im Auftrag des ADAC und ist total begeistert von diesem kleinen Auto. Es sei schon immer ein Traum von ihm gewesen, solch ein Gefährt zu besitzen. Und er würde es uns direkt abkaufen. Meine Eltern nicken mir zu, aber ich schüttele den Kopf. Der Kleine ist zwar noch nicht lange in meiner Obhut, aber mir schon sehr ans Herz gewachsen. Also wird er aufgeladen und ein paar Kilometer weiter an der Werkstatt abgestellt. Es ist früher Abend, da wird nichts mehr passieren. Also lassen wir den Kleinen da und fahren schweren Herzens alle im Wohnmobil weiter.

Eine Woche später ist klar: Die Reparatur dort in der Werkstatt ist zu teuer, wir werden den Wagen selbst die restlichen 300 Kilometer nach Hause bringen müssen. Warum das nicht der ADAC machte, kommt im baldigen Beitrag.

Wir leihen von Freunden sowohl ein Auto mit Anhängerkupplung und einen Autoanhänger und weil mein Führerschein nur noch ein zulässiges gesamtgewicht von 3,5 Tonnen erlaubt, muss mein Vater dieses Gespann den gesamten Weg fahren. Um 3 Uhr in der Früh geht es gen Bayern, um um 8 Uhr den Wagen dort aufzuladen und nach einigen kleineren Komplikationen geht es zurück. Insgesamt, bis alles wieder bei den richtigen Leuten abegegben ist und ich zu Hause bin, sind 22 Stunden vergangen. Innerhalb dieser ist auch obiges Bild entstanden.

Kurz darauf kommen die bestellten Teile, ein Bruchteil der Kosten, die in der Werkstatt auf mich zugekommen wären. Ich baue sie mit Hilfe meines Vaters und oben erwähnten Freundes ein und alles funktioniert. Der Wagen kommt zur nächsten Werkstatt, bei der man den TÜV abnehmen kann, bekommt vier neue Reifen und ich habe einen Zettel auf dem „keine Mängel“ steht. Es geht zur Zulassungsstelle und problemlos wieder raus.

Und jetzt steht er hier. Selbst in Polen gekauft, selbst hergebracht und selbst auf die deutschen Straßen gebracht. Mit den Nummernschildern des Busses. Der Geist lebt also weiter. 🙂 Wahrscheinlich werde ich nun immer mal wieder von dem Kleinen berichten. Ist nämlich wirklich ein Süßer.

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