Das Debüt 2018: Meine Juryentscheidung

Runde 3! Schon für 2016 und 2017 habe ich als Juryblogger die fünf Romane gelesen, dies Jahr also wieder. Allein das Erstellen der Shortlist, die vom Team von Das Debüt ausgefuchst wird, ist eine langwierige und mutige Aufgabe, danach liegt es in den Händen von uns Bloggern, über das Beste zu entscheiden. 14 Menschen mit eigener Meinung und Leseempfinden.

Das Schönste an dieser Sache ist gar nicht die Entscheidung am Ende, sondern die Diskussionen dorthin. Die Facebookgruppe, die zeigt, wie unterschiedlich wir lesen und empfinden und wie leidenschaftlich wir unsere Lesart verteidigen können.

Vor der eigentlichen Vergabe meiner Punkte hier die Gewinner der Nebenkategorien.

Schönstes Cover: Orchis von Verena Stauffer, erschienen bei Kremayr & Scheriau. Das ganze Buch fühlt sich wertig an und das Cover schafft es, den Inhalt auf eine ganz schöne Art zu kommentieren, ohne Dinge zu verraten.

Schönster Titel vor dem Lesen: Der letzte Huelsenbeck von Christian Y Schmidt, erschienen bei Rowohlt. Alle Shortlistitel hatten relativ kurze, kryptische Titel, die ich Wissen über den Inhalt kaum deuten konnte. Der letzte Huelsenbeck machte mich am Neugierigsten.

Schönster Titel nach dem Lesen: nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert, erschienen im Verbrecher Verlag. Alle Titel offenbarten sich erst nach dem Lesen, bei diesem hier hatte ich aber dann jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich jemandem von diesem Buch erzählt habe. Weil es es die Antwort vorwegnimmt, die das Buch auseinandernimmt. Hört sich auch kryptisch an, erklärt sich aber mit dem Buch.

Schönster erster Satz: ‚Das Erwachen auf dem Schiff nach wochenlanger Überfahrt glich dem Auftauchen eines Kugelfischs aus schwarzen Meeresgründen in leuchtende Korallenriffe.‘ aus Orchis von Verena Stauffer, erschienen bei Kremayr & Scheriau. Ich bin mitten im Geschehen, ich ahne die Erzählart und den Stil und ich will mehr wissen.

Gleich zu meinen Top 3. Vorweg aber, meine Wertung ist meine persönliche Sichtweise und die Plazierung sagt nichts über die Qualität der Bücher aus. Im Gegenteil, ich ahne, dass die beiden nicht Platzierten gute Bücher sind. Aber sie sind eben nicht mein Geschmack oder Leseempfinden.

Platz 3: Der letzte Huelsenbeck von Christian Y Schmidt, erschienen bei Rowohlt. Ich habe hin und her überlegt, wer auf diesen dritten Platz kommt. Weil alle für mich verbliebenen Bücher nicht das einlösen, was sie für mich einlösen sollten. Der letzte Huelsenbeck ist also der beste Kompromiss. Die Geschichte eines Mannes, der nach der Beerdigung eines alten Freundes versucht, Licht in die gemeinsame Vergangenheit zu bringen. Versucht, zu rekonstruieren, was sich in seiner Erinnerung irgendwie komisch anfühlt. Im letzten Drittel des Romanes bekommt Schmidt für mich die Kurze und schafft es, mir Sichtweisen auf die Geschichte zu geben, die sie tatsächlich nochmal interessant machen. Alles in allem eine eigentlich gute Geschichte die leider zwei ganz große Probleme hat: Einerseits wird sie viel zu ausufernd erzählt, die Hälfte des Buches hätte gereicht. Andererseits ist mir der Protagonist bis zum Ende extrem unsympatisch. So sehr, dass ich ihm nichts gönne. Sehr schade, weil die erzählte Geschichte für mich gut funktioniert.

Platz 2: Bevor wir verschwinden von David Fuchs, erschienen bei haymon. Ein junger Arzt, der auf seiner Station seiner ersten großen Liebe wiederbegegnet, im letzten Krebsstadium. Ich brauchte, bis ich auf die Sprache klar gekommen bin, auf diese Art des Erzählens. Direkt, fast schon distanziert und emotionslos. Aber dann, eigentlich schon, nachdem ich mit dem Buch durch war, hat es mich lange nicht losgelassen.

Platz 1: nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert, erschienen im Verbrecher Verlag. Ein auf den simplen Schriftzug reduziertes Cover, ein kryptischer Titel und ein Verlag, von dem ich bisher kaum oder sogar gar nichts gelesen habe. Eine Geschichte über eine Vergewaltigung. Nicht die in der dunklen Ecke einer Seitengasse, mit vermummten Gestalten und verzweifelter Gegenwehr. Sondern auf einer Party, die beiden kennen sich. Second Night Stand. Und es steht danach Aussage gegen Aussage. Erinnerung gegen Erinnerung. Wilpert erzählt keine Geschichte, sie lässt nicht nur die beiden, sondern auch Freunde und Bekannte sprechen. Sammelt Meinungen und stellt sie unkommentiert nebeneinander. Ich als Leser muss entscheiden, wem ich glaube, wessen Gefühl stärker wiegt. Ich kriege das bis zum Ende nicht hin. Ich kann mir keine Meinung bilden. Und genau dieses Dilemma macht dieses schmale Buch so stark und emotional.

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2 Gedanken zu „Das Debüt 2018: Meine Juryentscheidung“

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