An die Wand gedrückt und von der Küche aus nicht zu sehen, schlichen Lyra und ihr Dæmon durch den dämmrigen Speisesaal.

Der erste Satz aus der goldene Kompass. Teil 1 der His dark Materials-Trilogie von Philip Pullman

In einer Welt, in der die Seele den Menschen außerhalb des Körpers in Tierform begleitet, muss sich ein junges Mädchen auf den Weg machen, ihren besten Freund und – nebenbei – alle Welten zu retten.

Ich kannte den Film von 2007 und habe dann die erste Staffel der neuen Serie gesehen.

Sieht ganz schön gut aus. Und ich will wissen, wie es weitergeht. Und die Trilogie steht sowieso schon im Bücherregal. Also los geht’s.

Band 1: Der goldene Kompass

Ich kenne die Geschichte, habe Gesichter für die Charaktere und bin sofort drin. Auch, weil Pullman diese fast, aber dann eben doch nicht ganz wie unsere Welt sehr schön und quasi nebenbei baut. Wenn er selbstverständlich von Brytannien, Experimentaltheologie und Neufrankreich erzählt, ahne ich, wie nah diese Welt an unserer ist und dennoch ihre ganz eigene Geschichte hat. Lyra ist mir von Anfang an sympatisch, ich bewundere ihren Mut und ihr Wesen und ich folge ihr gern durch ihr Leben und die kommenden Abenteuer.

Was mir, besonders im Gegensatz zur Serie, auffällt, ist die fast schon übertriebene Unaufgeregtheit, mit der Pullman die Geschichte erzählt. Große Ereignisse (Enthüllungen, Katastrophen oder der Tod eines liebgewonnenen Charakters), die in der Serie regelmäßig als Cliffhänger dienen, tauchen auch im Buch vor, erhalten aber manchmal noch nichtmal einen eigenen Absatz. Er erzählt einfach weiter. Manchmal muss ich Seiten zweimal lesen, weil ich nicht glauben kann, was gerade wegerzählt wurde.

Man sagt George R.R. Martin in Game of Thrones nach, gerne geliebte Protagonisten plötzlich zu töten. Daran muss ich in dieser Trilogie immer wieder denken. Pullman ist erbarmungslos, was sich sehr positiv auf die Geschichte auswirkt. Sie endet mittendrin und ich will gleich weiterlesen.

Band 2: Das magische Messer

Waren wir (in der Buchfassung) bisher nur in der Welt von Lyra, kommt jetzt Will dazu, der in unserer Welt lebt. Eine neue Person, die ich sympatisch finde und mag. Deren Probleme und Sorgen noch näher an meinen sind. Bis er auf Lyra trifft.

Waren im ersten Band gut und böse noch ziemlich klar und literarisch, aber trotzdem für ein junges Publikum. Hier verschwimmen die Grenzen, plötzlich ist nicht mehr ganz klar, ob der „der Böse“ wirklich der Böse ist. Bis auf die Kirche, die bleibt durchweg und fast schon plump böse.

David Kleingers schrieb zur Veröffentlichung des Films damals im Spiegel „Schließlich gilt Philip Pullmanns Romanreihe „His Dark Materials“, zu der „Der Goldene Kompass“ gehört, gemeinhin als latent humanistischer Gegenentwurf zu C. S. Lewis‘ christlich geprägter Erlösungs- und Erweckungsmission im Lande Narnia.“

Genau das wird im Laufe der Trilogie immer deutlicher. Die anderen Figuren dagegen wandeln sich immer wieder. Und war die Geschichte am Anfang noch linear und gut nachvollziebar, wird jetzt klar, dass sie viel viel größer und verworren wird. Und auch das angesprochene Publikum älter ist.

Buch 3: Das Bernstein-Teleskop

Dieses Buch ist das dickste, mit der größten Geschichte, den meisten Charakteren. Ich will natürlich wissen, wie dieses Epos zu Ende geht, aber für mich hat Pullman es mit diesem Band übertrieben. Ich kann nicht mehr allen Erzählsträngen folgen, bin manchen neuen Figuren überdrüssig und kann auch nicht alle Handlungen nachvollziehen. Pullman dreht hier voll auf, auch literarisch und philosophisch.

Für diesen Band brauche ich am längsten und manchmal tue ich mich schwer, aber am Ende bin ich sehr froh, diese Geschichte gelesen zu haben. Lyra und Will werden bei mir bleiben. Auch wegen der Konsequenz, mit der Pullman erzählt.

Jetzt bin ich gespannt, wie die Serie das umsetzt.

Die His Dark Materials-Trilogie von Philipp Pullman wurde übersetzt von Wolfram Ströle, Reinhard Tiffert und Andrea Kann und erschien bei Carlsen.

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