Bericht: Literarisches Schreiben in Hildesheim, Semester 2

Dies ist die erste Woche des dritten Semesters, die Semesterferien habe ich mit einem Praktikum und in Polen verbracht. Bevor das zweite Studienjahr richtig beginnt, hier der Bericht über Semester 2.

Viel von dem, was im ersten Semester passiert ist und mir aufgefallen ist, gilt auch noch im zweiten. Man groovt sich mehr ein, lernt in anderen Seminaren und Kursen neue Leute kennen und kommt langsam in dieser Blase der Domäne an. Der Sommer und das warme Wetter fördern das Zusammensitzen auf der Wiese und die gemeinsame Zeit extrem.

Auf der anderen Seite aber hat sich bei mir ein großes Gefühl von Ellenbogenmentalität und Abgrenzung festgesetzt.

An der Musikhochschule, in Sprechkunst, lernt man in den ersten Semestern, dass es egal ist, wie man von außen aussieht. Man macht so viele Körperübungen, humpelt wie ein Zombie durch den Raum oder sagt andauernd komische lautmalerische Worte vor sich her, dass man auf keinen Fall darüber nachdenken kann, wie man jetzt gerade aussieht und auf andere wirkt. Weil dann bringen all die Übungen nichts. Man wird mutig darin, blöd auszusehen. Und dadurch ist man frei, alles zu tun. Und weil das alle machen, ist auch alles okay.

In dieser Blase in Hildesheim wären dafür die perfekten Vorraussetzungen. Man ist unter Künstlern und man studiert. Man will sich ausprobieren. Man will Sachen machen, die man sonst nicht macht. Aber mir scheint, das genaue Gegenteil ist der Fall. Weil es so ein Kleinstkosmos und es eher gegenseitiges Konkurrieren ist, beobachtet anscheinend jeder jeden genau. Zumindest verhalten sich fast alle so, als wären andauernd unter Beobachtung. Was wiederum auch heißt, dass man kaum in Kontakt mit anderen Leuten kommt. Selbst, wenn man sich in einem Kurs kennengelernt hat, sobald auf der Wiese ist, wird man vielleicht noch angenickt, aber ansonsten verbleibt man in den Gruppen der Leute, die man kennt. Ich habe nur wenige, dafür aber umso schönere Ausnahmen entdeckt.

Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt. Vielleicht daran, dass es es zwischen all den luxoriösen und elitären Studiengängen nochmal eine zumindest subjektive Rangordnung gibt. Dass beispielsweise die Bachelorstudenten Kreatives Schreiben sich als die „besseren Schreiber“ ansehen, als die Kultuwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Literatur. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das so ist, aber für mich fühlt es sich oft so an. Aber auch innerhalb der Studiengänge, zumindest bei den Schreibern, scheint es viel Rivalität zu geben. Als ob man jemand anderem einen guten Text nicht gönnt.

Das Gefühl, dass diese Stimmung hinterlässt, ist schal und schmälert das Erlebnis Hildesheim ein wenig. Sollte die Studienzeit doch ein wenig freier ablaufen.

Für mich persönlich war das zweite Semester anstrengend, ernüchternd, demotivierend und unglaublich schön. Ich lerne mehr, als ich gedacht hätte. Mehr über Literatur im allgemeinen, mehr über Schriftsteller und die Literaturwelt und vor allem mehr über mein eigenes Schreiben. Mein Mentor für mein Romanprojekt für das Semester war Anvar Cukoski, seit letztem Jahr Lektor bei Piper. Anvar ist, um es mit den Worten von Lester Bangs zu sagen, ehrlich und unbarmherzig. Das wirft einen erstmal ganz schön hart auf den Boden. Aber bringt einen auch am meisten weiter.

Das Pendeln hat auch im zweiten Semester gut funktioniert. Klar ist es anstrengend und nicht die billigste Art des Lebens. Aber ich halte meine Kontakte in Stuttgart und das ist mir wichtiger, als nach Hildesheim zu ziehen.

Nun komme ich ins dritten Semester. Beschäftige mich diesmal mit Kursen über Coming-of-Age, Kunstbücher und das Erzählen. Und habe als Mentor für meinen Roman Kevin Kuhn. Schon jetzt zeichnet sich ab, das dieses Semester wieder aus viel Lesen und Schreiben besteht. Aber ich hab Bock drauf. Und ich freue mich. In diesem Sinne, Lächeln, Fabian.

PS: Das Literaturinstitut hat eine kleine Slideshow aus Bildern und Interviews zusammengebaut, wie es so ist, in Hildesheim zu studieren. Wer genau hinguckt, sieht mich. Ist aber auch schön, eine breitere Masse an Meinungen zu hören.

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