Also, bleiben wir beim „Du“.

Langsam komme ich in das Alter, in dem Menschen mich beim begrüßen eher mit „Herr Neidhardt“ und „Sie“ ansprechen. Natürlich passiert das schon seit mehr als zehn Jahren, aber langsam gibt es auch eine ganze Generation Jüngerer, die mich als zu alt zum Duzen einstufen.

Einer meiner Lehrer in der Schule sagte damals, als er uns mit dem Wechsel in die Oberstufe plötzlich Siezte –  und ich glaube, dies ist das Einzige, war mir aus seiner Lehre hängen blieb: „Gewöhnen Sie sich an das Sie und versuchen Sie nicht, der Verantwortung zu entkommen.“

So hatte ich das bis dahin nie gesehen, das Du als junges verantwortungsloses Kind im Gegensatz zum erwachsenen Sie. Ich mag den Gedanken dahinter, aber nicht die Konsequenz. Ich glaube, Verantwortung, Seriosität und Demut haben nichts mit äußeren Formen zu tun, sondern mit einer inneren Haltung. Und was dann mit dem Sie übrig bleibt, ist eine Distanz, die ich zu vielen Menschen gar nicht haben möchte.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Natürlich spreche ich viele Menschen mit Sie an, aus Respekt und Demut. Aber diese Menschen haben mir so viele Jahre voraus, dass es nicht in meiner Entscheidung liegt, ihnen das Du anzubieten. Aber wenn mich jemand jüngeres oder im gefühlten Umfeld meines eigenen Alters mit Sie anspricht oder schreibt, dann sage ich:

Diese Welt ist zu klein und das Leben zu kurz für distanzierte Umgangsformen. Also, bleiben wir beim Du.

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4 Gedanken zu „Also, bleiben wir beim „Du“.“

  1. Ich muss gestehen, ich mag dieses vermaledeite „Sie“ nicht. Zwar benutze ich es bei älteren Generationen auch aus Respekt, doch wegen dieser Unterscheidung kommt es oft zu unangenehmen Situationen.
    Manchmal weiß man einfach nicht, welche Form man nehmen soll und um den anderen nicht zu beleidigen, probiert man das ganze Gespräch über, den anderen nicht direkt anzusprechen. Vielleicht stelle auch nur ich mich dabei seltsam an.
    Trotzdem wäre ich für eine Du-Reform, wie es uns die Schweden schon vorgemacht haben. Das würde einiges vereinfachen. 🙂

    1. Ich kenne diese unangenehmen Situationen, wo man versucht, keine Anrede zu benutzen. Aber selbst, wenn man es jetzt refomieren würde, es würde jahrezehnte brauchen, bis es nicht mehr genutzt wird. Ich rechne immer noch manchmal in Mark um. Oder schreibe mit alter Rechtschreibung. Oder sage „Gesundheit“.

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